Zum Hauptinhalt springen

Krekhts und Kwetschn auf der Seele

Exklusives Programm: Die Uraufführung eines Werks der israelischen Komponistin Chaya Czernowin und das Ensemble Nikel als Gast stehen im Mittelpunkt des BSO-Sinfoniekonzerts «Hebräische Klänge».

Hebräische Klänge: Klangbüschel zwischen Dur und Moll, die in Sackgassen enden. Auf Friedhöfen und im Konzentrationslager.
Hebräische Klänge: Klangbüschel zwischen Dur und Moll, die in Sackgassen enden. Auf Friedhöfen und im Konzentrationslager.
zvg

«Klezmer». Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen, fragt man jemanden nach einem Beispiel für jüdischhebräische hebräische Musik. Klezmer haben eben viele im Ohr, diese melancholischen Melodien, die von hochvirtuosen Instrumentalisten zu ekstatischen und oft verzweifelten Klagegesängen verdichtet werden. Es sind Klänge, die unter die Haut gehen, die berühren, weil sie direkt und ungefiltert aus der Seele zu strömen scheinen. So jedenfalls fühlen sie sich an: die Krekhts (Krächzer, Stöhnen), Dreydlekhs (motivische Schnörkel) und Kwetschn (gedrückte Töne, die wie Weinen klingen) und wie die musikalischen Formeln und Motive alle heissen. Mit den Tönen transportieren die Musiker die Bilder, die wir mit hebräischen Klängen assoziieren. Volle saftige Melodien und Rhythmen. Klangbüschel, die zwischen Dur und Moll oszillieren. Gefährliche Klänge. Sie enden zuweilen in Sackgassen. Auf Friedhöfen, im Konzentrationslager. Dann streifen sie die Heiterkeit ab wie Masken und werden zu Todesfugen.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.