Zum Hauptinhalt springen

«Kleinwüchsig, unansehnlich, fast hässlich»

Kunsthistorikerin Eva Baur hat eine neue Biografie über Mozart verfasst. Im Interview sagt sie, warum unser Bild von ihm so falsch ist – und was es mit seinen derben Briefen auf sich hat.

«Ma très chère Cousine!», eröffnet Mozart einen Brief. Um sich sogleich zu unterbrechen: «Bevor ich Ihnen schreibe, muss ich aufs Häusel gehen --- ietzt ist's vorbey! ach! -- nun ist mir wieder leichter ums Herz!» In einem andern Schreiben heisst es: «o charmante! - dreck, leck! - das freüet mich!» Wie gingen Sie als feinsinnige Kunsthistorikerin damit um? Solche Äusserungen, die heute als Entgleisungen erscheinen, waren damals nichts Ungewöhnliches. Auch seine Mutter hat seinem Vater schon mal geschrieben: «Reck‘ den Arsch zum Mund.» Oder: «Er möge die sündigen Pimperl aufs Fotzerl küssen.» Das war Mozarts Terrierhündin. Man muss also relativieren. Vor allem aber ändert das nichts am Wesentlichen: Diese Briefe stellen einen Schatz dar.

Weshalb? Mozart kann in seinen Briefen alles. Sich verstellen, inszenieren, lügen und schonungslos seine Einsamkeit und sexuelle Begehrlichkeit bis hin zum Masturbieren preisgeben. Oder auch jonglieren mit Sprachen, Stilen und Traditionen– lateinisch und deutsch, derb und empfindsam, vergeistigt und saftig irdisch. In seinen Briefen zeigte er die gleichen Qualitäten wie als Musiker: er war von grenzenloser Experimentierfreude und berstendem Einfallsreichtum.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.