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Klassiker der Woche: Prost, Verdi!

Am 9. oder 10. Oktober feiert Giuseppe Verdi den 200. Geburtstag. Anna Netrebko und Rolando Villazòn stossen an.

Zweifellos, hier kann jeder mitschunkeln, und viele können wohl sogar mitsingen: Das Trinklied aus Giuseppe Verdis Oper «La Traviata» gehört zu seinen grössten Hits. Es sind Stücke wie dieses, die ihm seinen Ruf als massentauglicher Komponist eingetragen haben. Dank ihnen ist er Dauergast in Freilicht-Arenen und Wunschkonzerten, dank ihnen finden manche den Weg in die Opernhäuser, die für den ebenfalls 200-jährigen Richard Wagner eher nicht dorthin gehen würden.

Dabei ist dieses «Brindisi» gar nicht so simpel, wie es aufs erste Hören klingt. Es ist etwas Überdrehtes, allzu Lüpfiges in dieser Musik, die gleichzeitig immer wieder ins Moll abzugleiten droht. Kein Wunder, die Liebe zwischen Violetta und Alfredo, die sich hier anbahnt, ist kompliziert: Die gesellschaftlichen Konventionen (also Alfredos Vater, Violettas Verlobter und die anderen Herren, die hier feiern) stellen sich ihr entgegen. Die sozialen Unterschiede zwischen einer Kurtisane und einem Jüngling aus gutem Hause sorgen auch zwischen den Liebenden für Misstrauen und Missverständnisse. Und nach dieser Szene hustet Violetta: Man ahnt, dass es nicht mehr lange gehen wird, bis die Schwindsucht siegt.

Tatsächlich wirkt auch Anna Netrebko in dieser Salzburger Aufnahme von 2005 fast ein bisschen atemlos bei ihren ersten Tönen. Aber schwindsüchtig? Nein, das nun überhaupt nicht, Verdi hätte sich zweifellos gefreut über ihren lebensprallen, emotionsgeladenen Sopran. Und Rolando Villazòn war hier noch weit von seiner Stimmkrise entfernt: Dass die beiden als Bühnen-Traumpaar gefeiert wurden, war durchaus berechtigt.

Inzwischen treten sie nicht mehr zusammen auf – Opernbeziehungen sind endlich. Aber Verdis Trinklied, so viel darf man vermuten, wird auch zu seinem 300. Geburtstag noch gesungen werden.

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