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Klassiker der Woche: Oper oder Softporno?

So viel Liebe! Der Opernheld Giasone ist überfordert. Aber der Countertenor Christophe Dumaux hat die Sache im Griff.

Dass der sich noch auf die Musik konzentrieren kann! Das erstaunt die Youtube-Kommentatoren dieses Videos aus der Vlaamse Opera in Antwerpen am meisten. Aber tatsächlich: Der Countertenor Christophe Dumaux lässt sich kein bisschen ablenken von all den Händen, die sich da an ihm zu schaffen machen. Er singt so fokussiert, emotional und stilsicher, wie er das immer tut – derzeit auch wieder am Zürcher Opernhaus, wo ihm in Monteverdis «Il ritorno d'Ulisse in patria» das Kostüm zu Beginn ebenfalls ziemlich weitgehend abhandenkommt.

Hier gibt er nun den Giasone aus Francesco Cavallis gleichnamiger Oper von 1649. Der mythologischen Vorlage gemäss ist er hin- und hergerissen zwischen Isifile und Medea – und ziemlich erschöpft von den amourösen Performances, die das mit sich bringt. Die französische Regisseurin Mariame Clement zeigte Giasones Arie «Delizie contente» deshalb als erotischen Traum, was im Publikum für einige Aufregung sorgte und für heftige Diskussionen über die Frage, ob das nun eine Oper sei oder ein Softporno.

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