Klassiker der Woche: Gestrichene Glückwünsche

Märsche, Walzer, Tangos: In «Happy Birthday» steckt alles Mögliche.

Das Kronstadt Quartet gratuliert: Mit den «Happy Birthday Variations» von Claus Dieter Ludwig. (Youtube/Adrian Pipas)

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Meist hört man es ja einstimmig (mehr oder weniger), herzhaft, herzlich: Das «Happy Birthday», bevor man die Kerzen auf dem Kuchen auspustet. Aber klar, wer musikalisch etwas auf sich hält, der weiss diese familiären Glückwünsche zu verfeinern. Jazzer und Humoristen haben sich die Melodie angeeignet, es gibt das Lied mit den Minions und von Stevie Wonder. Und selbstverständlich auch mit Streichquartett: Gleich mehrere «Happy Birthday»-Variationen wurden komponiert – diese hier von Claus Dieter Ludwig, der sich ansonsten beim Schott-Verlag mit zeitgenössischer Musik auseinandersetzt.

Als Komponist hält er sich hier ziemlich zurück in Sachen Neutönerei; avantgardistisch sind in erster Linie die Menüvorschläge, die er zu den einzelnen Sätzen serviert: «Marcia Marsala e Mozzarella», «Valzero Vongole e Vaniglia» – nun ja, der Geburtstag soll ja ein besonderer Tag sein, auch kulinarisch. Ansonsten zeigt das Stück vor allem, dass sich jedes noch so simple Motiv mit ein bisschen Fantasie und solidem Handwerk in fast jede mögliche Form umgiessen lässt; auch wenn es der Komponist hier besetzungshalber nicht tut: «Happy Birthday» würde sich zweifellos auch als Grundlage für eine Opernarie oder ein Lautenlied à la Dowland eignen.

Komponierende Kindergärtnerin

Aber woher stammt dieses Geburtstagslied überhaupt? Nein, nicht von Beethoven, auch sonst von keinem Grossmeister. Sondern von Mildred J. Hill (1859–1916), die Erzieherin war in einem Kindergarten in Louisville, Kentucky. Ihre Schwester, die im gleichen Kindergarten arbeitete, hat den Text dazu verfasst, der ursprünglich allerdings «Good Morning to All» lautete. 1893 wurde das Lied veröffentlicht, 1924 erhielt es eine zweite Strophe – eben das «Happy Birthday».

Es folgten: eine epidemische Verbreitung dieses Liedes. Urheberrechtsstreitigkeiten. Riesengewinne. Und, am 31. Dezember 2016, endlich die Freigabe des bis dahin immerhin noch in einigen Ländern geschützten Stücks. Wir dürfen «Happy Birthday» jetzt also singen und spielen, wie und wo immer wir wollen. Und, wenn wir wirklich mögen, dürfen wir dazu sogar Muscheln mit Vanille essen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.08.2017, 10:10 Uhr

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