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Klassiker der Woche: Gesänge der Finsternis

Klar, die Bach-Passionen gehören zur Zeit vor Ostern. Aber es gäbe noch andere Musik für diese Tage: Zum Beispiel François Couperins «Leçons de ténèbres».

Eine Kerze wird gelöscht, dann noch eine, bis es finster ist: So wurde es gemacht am Hofe von Louis XIV bei der ersten Aufführung von François Couperins «Leçons de ténèbres» im Jahr 1714. Es war Musik für die Zeit vor Ostern, und dunkel wurde es damals nicht nur in der Kapelle von Longchamp, dunkel ist es auch im Text, in den Klagen des Propheten Jeremias über die Zerstörung Jerusalems. Um Schmerz geht es da, um das schwere Joch der Sünden, um die Strafe des Herrn.

Couperins Musik allerdings, die klingt in diesem Ausschnitt aus der «Troisième leçon de ténèbres» verblüffend hell. Der Hofkomponist zu Versailles war ein Meister des französischen virtuosen Stils, und wie sich die beiden Stimmen umranken und ablösen, wie aus dem Einklang eine bittersüsse Dissonanz und dann wieder die vollkommene Harmonie entsteht, wie kleine Verzierungen die Melodie kräuseln: Das hat den Charme und die Schönheit, die seine Musik auch ausserhalb des geistlichen Repertoires ausmacht.

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