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Klassiker der Woche: Ein Wunder, Kind!

Viele ehrgeizige Eltern stellen Videos ihrer mehr oder weniger hochbegabten Sprösslinge ins Netz. Dieses Mädchen hier hat tatsächlich was.

Es wird einem ja ein wenig schwindlig bei diesem Video. Das kann passieren, wenn die Eindrücke der Augen und jene der Ohren so überhaupt nicht zusammenpassen. Man sieht also: eine blond gelockte Siebenjährige mit Lipgloss und Prinzessinnenkleid, die innig schwankend ihre Viertelgeige bedient. Und man sieht zumindest indirekt die Überambitionen der Eltern, die sie so zuckersüss zurechtgemacht haben – klar, die Szene spielt in den USA.

Was man hört, ist dagegen nicht zuckersüss, sondern erstaunlich herb. Die kleine Brianna Kahane kann, was die wenigsten sogenannten Wunderkinder können: langsam spielen. Sie ist kein Zirkusäffchen, das nur auf virtuose Fingerfertigkeit getrimmt worden wäre (das natürlich auch, man hört es im Schlussteil von Vittorio Montis berühmtem Csardas). Aber wie sie im langsamen Tempo die Kantilenen entwickelt, wie sie Druck gibt und wieder wegnimmt, wie sie ganz aus dem Innern des Klangs heraus Spannung schafft: Das lässt sich mit fleissigem Üben allein nicht erreichen. Kein Zweifel, dieses Mädchen weiss, was es spielt. Und wenn es Erwartungen erfüllen will mit diesem Auftritt, dann vor allem seine eigenen.

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