Klassiker der Woche: Drama auf sechzehn Saiten

Das Doric String Quartet gehört zu den aufregendsten Quartetten derzeit. Am nächsten Sonntag tritt es in Zürich auf.

Mal dramatisch, mal düster: Das Doric String Quartet spielt Schubert. (Youtube/Chandos)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Drei Männer, eine Frau, alle Mitte zwanzig und bereits seit elf Jahren miteinander unterwegs: Das ist das britische Doric String Quartet. Wie so viele Kammermusikensembles wurde es von Studierenden gegründet, die dann so gut zusammenpassten, dass sie nach dem Abschluss gemeinsam weitermachten. Und, in diesem Fall, an allerlei Wettbewerben einen ersten Preis nach dem anderen gewannen.

Hört man die Aufnahmen des Quartetts, erstaunt einen das nicht. Dieses «Andante un poco mosso» aus Schuberts G-Dur-Quartett D 887 etwa klingt geradezu «molto mosso», also sehr bewegt. Wie sich die Musik im Tremolo auflädt und dann gegen ein klingendes Stoppschild prallt; wie sie vom Dramatischen ins Düstere kippt: Das hört man mit Gänsehaut.

Natürlich könnte man die Aufführung auch nüchterner betrachten. Dann würde vielleicht auffallen, dass die vier sehr oft die Extreme suchen. Da und dort könnte man ihnen wenn nicht Effekthascherei, so doch immerhin ein ausgeprägtes Effektbewusstsein unterstellen. Aber dann ist man eben doch wieder beeindruckt von der Präzision, der Einigkeit, dem Furor dieser Aufführung. Und von dieser Art, Schubert als den Dramatiker zu zeigen, der er gerade in seinen Streichquartetten war.

Am kommenden Sonntag, 10. September, um 17 Uhr, spielen die vier dieses Werk auch in Zürich, im St. Peter. Dazu gibts Haydns Konzert op. 20/2. Und man darf darauf wetten, dass auch dieses nicht auf dem durchaus nicht immer goldenen Mittelweg absolviert wird. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.09.2017, 10:20 Uhr

Zürcher Quartett-Zyklus

Die Neue Konzertreihe Zürich baut aus: Neben den üblichen Konzerten in der Tonhalle (die neu in der Tonhalle Maag stattfinden) gibt es neu ein Zyklus mit Streichquartetten in der Kirche St. Peter. Nach dem Doric Quartett treten folgende Ensembles auf: Signum Quartett (8. Oktober), Belcea Quartet (4. Februar 2018), Schumann Quartett (8. April), Chiaroscuro Quartet (27. Mai), Cuarteto Casals (17. Juni), Armida Quartett (8. Juli). Beginn jeweils um 17 Uhr.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Artikel zum Thema

Klassiker der Woche: Gestrichene Glückwünsche

Märsche, Walzer, Tangos: In «Happy Birthday» steckt alles Mögliche. Mehr...

Klassiker der Woche: Quartett der Sumpfpflanzen

Artemis, Artis, Aris: Schon die Namen verraten, wie eng der Markt für Streichquartette ist. Mehr...

Paid Post

Bildung gegen die Macht der Maras

In den grösseren Städten El Salvadors kontrollieren Gangs, die sogenannten Maras, ganze Quartiere. Die Banden nutzen die tristen Zustände im Land, um Kinder und Jugendliche zu rekrutieren.

Kommentare

Blogs

Tingler Orange ist was?
Geldblog Nestlé setzt auf kleine Schritte

Abo

Das digitale Monatsabo Light für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital im Web oder auf dem Smartphone. Für nur CHF 19.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Ganz entspannt: Mit Musik auf den Ohren lässt sich ein Mann an der Tattoo Convention in Montreux ein Bild auf den Oberarm stechen. (17. September 2017)
(Bild: Christian Merz) Mehr...