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Klassiker der Woche: «Das ist der Fluch unserer Musik»

Wie treibt man einem Orchester übertriebene Akzente aus? Herbert von Karajan wusste es.

«Das ist zu grob»: Herbert von Karajan erklärt Beethoven. (Youtube/Berliner Philharmoniker)

Es sind nur ein paar wenige Töne aus Beethovens 5. Sinfonie, die hier verhandelt werden. Aber man versteht danach, wie kompliziert dieser Beginn des Andante ist. Und was die Kunst des Herbert von Karajan ausgemacht hat.

Der Klang: Das war seine Spezialität, seine fixe Idee. Und, so zeigt diese Aufnahme, auch sein bevorzugtes Forschungsgebiet. Karajan hat sich bei der Umsetzung seiner Klangvorstellungen keineswegs nur auf sein oft beschworenes Charisma verlassen. Da ging es auch um die Eigenheiten der Instrumente und um Spieltechnik, um Werkkenntnis und Psychologie. Um all das, was ihm half, Grobheiten zu vermeiden, die Melodie im Fluss zu halten und die Taktstriche – «die sind der Fluch unserer Musik» – vergessen zu lassen.

Wie viel Erfahrung er sich angeeignet hatte bis Mitte der 1960er, als diese Aufnahme entstand: Das ist hier eindrücklich zu erleben. Die Berliner Philharmoniker, deren Leitung er 1955 übernommen hatte, waren längst «sein» Orchester geworden; die Musiker wussten genau, was sie zu tun hatten, wenn er vorne den Klang «modellierte».

Schaut man, wie er das tat, fällt vor allem auf, wie sehr Karajan ein Ohrenmensch war. Er blickt kaum je ins Orchester, sondern hört mit gesenktem Kopf zu, was geschieht. Auch den eifrigen Jungdirigenten schaut er nur selten direkt an – wobei das auch mit jener Schüchternheit zu tun hatte, gegen die Karajan trotz seines Superstartums zu kämpfen hatte.

Der Jungdirigent jedenfalls dürfte einiges gelernt haben bei dieser Lektion. Vor allem dies: Dass in der Musik nichts so selbstverständlich ist, wie es klingt.

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