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Klassiker der Woche: Bachs Selfies

Nicht nur in der «Kunst der Fuge» hat sich Bach selbst verewigt: Mit den Tönen b-a-c-h.

Barack Obama macht sie, Oscar-Moderatorin Ellen DeGeneres ebenfalls – aber sie sind spät dran. Selfies gibts schon ewig, jedenfalls weit länger als Smartphones. Und nicht nur in Bildern (wie etwa in Raffaels Fresko «Die Schule von Athen») fand die eigene Verewigung in früheren Jahrhunderten statt, sondern auch in Tönen.

Johann Sebastian Bach (1685–1750) hatte dafür exakt den richtigen Nachnamen: Alle Buchstaben stehen für Tonhöhen, das liess sich musikalisch bestens ausnutzen. Das bekannteste Beispiel ist gleichzeitig seine letzte, unvollendet gebliebene Komposition: der Contrapunctus XIV aus der «Kunst der Fuge». Das b-a-c-h-Motiv taucht darin in Takt 193 erstmals auf (in dieser Streichquartett-Version des Ensembles Les Esprits Animaux bei 6'44"). Man darf allerdings vermuten, dass Bach diese Töne nicht aus Eitelkeit gesetzt hat, sondern «Soli Deo Gloria», wie er jeweils unter seine Werke schrieb: Wenn man die Noten mit Linien verbindet, entsteht ein Kreuz – das Selfie war damit auch ein religiöses Bekenntnis.

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