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Gesucht: Mehr Aufmerksamkeit

Die Tonhalle tut sich schwer damit, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Als David Zinman vor 19 Jahren Chef­dirigent des Tonhalle-Orchesters wurde, übernahm er einen schwierigen Job. Nach verschiedenen glücklosen Leitungen und Interimslösungen war das Orchester in mittelmässiger Verfassung, die Stimmung resigniert. Was folgte, war ein verblüffender Aufschwung: Zinmans Beethoven-Zyklus machte international Furore, die Tonhalle wurde wieder zu einer Top­adresse im europäischen Musikbetrieb.

Wenn nun Lionel Bringuier Zinmans Nachfolge antritt, übernimmt auch er einen schwierigen Job. Das Orchester ist zwar in sehr guter Verfassung und höchst motiviert. Was Zinman in seinen ersten Jahren erreicht hat, konnte fortgesetzt werden. Aber es ist selbstverständlich geworden – und das ist fatal in einem Kulturbetrieb, in dem vor allem das Neue, Spektakuläre zählt. So sehr das Zürcher Opernhaus immer wieder in den Fokus drängt, so schwer tut sich die Tonhalle im Kampf um die öffentliche Aufmerksamkeit.

Bringuier wird sich also nicht nur darum kümmern müssen, dass das Tonhalle-Orchester seine Standards halten kann. Er wird zusammen mit der Intendantin Ilona Schmiel auch versuchen müssen, wieder vermehrt Neugierde zu wecken und darauf hinzuweisen, dass an der Claridenstrasse ebenso aufregende Dinge geschehen wie an der Falkenstrasse.

Kann das funktionieren? Zwei Dinge sprechen dafür. Erstens werden die Musiker, die mit Bringuier ihren Wunschkandidaten als Chef erhalten, alles daransetzen, dass die Zusammenarbeit glückt. Und zweitens ist Bringuier ein guter Kommunikator, der sich im städtischen Kulturleben zweifellos offensiver bemerkbar machen wird als sein diesbezüglich zurückhaltender Vorgänger. Dass er seinen schwierigen Job höchst vergnügt und engagiert antritt: Daran hat er gestern jedenfalls keinen Zweifel aufkommen lassen.

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