Feurig und energiegeladen

Zurück aus China: Das Berner Symphonieorchester rollt in Schumanns Cellokonzert den Teppich aus für den britischen Cellisten Steven Isserlis.

Der englische Cellist Steven Isserlis war Gast des Berner Symphonieorchesters (BSO).

Der englische Cellist Steven Isserlis war Gast des Berner Symphonieorchesters (BSO). Bild: zvg / www.stevenisserlis.com

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Keine zwei Monate ist es her, dass Renaud Capuçon im Meisterzyklus die Violinfassung von Robert Schumanns Cellokonzert in a-Moll (op. 129) spielte. Nun war das Original an der Reihe: Gast des Berner Symphonieorchesters (BSO) war der englische Cellist Steven Isserlis, stets ein Garant für eine werktreue, gleichwohl unverkrampfte und eigenwillige Annäherung an die Stücke.

Äusserlich einem leicht angejahrten Rockstar nicht unähnlich, ist Isserlis oft ganz Bewegung und schwingt Kopf und Mähne hin und her. Dann wieder ist er ein Pol der Ruhe, vergeistigt fast, nach innen gekehrt und eins mit seinem Instrument. Eins war er im Schumann-Konzert auch mit dem glänzend disponierten Orchester, das ihm sozusagen den roten Teppich ausrollte. Isserlis’ Vibratokunst und die schiere Farbenpracht, die er seinem Cello entlockt, suchen ihresgleichen. Als Dank ans Publikum und Tribut an seinen Lieblingscellisten Pablo Casals spielte Isserlis dessen katalanisches Vogellied «El cant dels ocells».

Hellwaches Orchester

Dem Orchester hat die China-Tournee hörbar gutgetan. Hellwach und hochkonzentriert war es schon im dankbaren Auftaktstück: «Till Eulenspiegels lustige Streiche» von Richard Strauss erobern jedes Publikum im Sturm. Das gilt umso mehr, wenn sie so feurig und energiegeladen wie hier daherkommen. Mario Venzago betont bewusst das Folkloristisch-Derbe, was klare Kontraste zu den Passagen ergibt, welche die einzelnen Instrumente aufleuchten lassen. Hier wie auch im zweiten Satz der Brahms-Sinfonie (Andante sostenuto) sind die geschmeidig schmachtenden Violinsoli von Konzertmeister Alexis Vincent hervorzuheben.

Als Ganzes aber kam Brahms’ Erste so schwung- und kraftvoll daher, dass man das Werk neu zu entdecken glaubte. Stürmisches Vorwärtsdrängen prägte die Ecksätze, mit Nachdruck forderte Venzago die Steigerung hin zum fulminanten Finale ein. Ja, das BSO hat diesen Brahms drauf – es bekommt einer so komplexen Symphonie offenbar gut, wenn sie mehrfach gespielt wird. So konnten auch die Daheimgebliebenen indirekt ein wenig von der Chinareise profitieren.

Es ist ein Programm, das Philipp Bach von der «Konkurrenz» – er ist Chefdirigent des Berner Kammerorchesters – präzis auf den Punkt gebracht hatte: Das Konzert umfasse einen «Jugendgeniestreich» (Strauss), ein «abgeklärtes Alterswerk» (Schumann) und einen «Befreiungsschlag» (Brahms). Vor allem diesen Befreiungsschlag haben Dirigent Mario Venzago und sein Orchester beispielhaft und kraftvoll geführt. (Der Bund)

Erstellt: 19.05.2017, 18:54 Uhr

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