Ende eines Musikwunders

Der Kult-Dirigent Teodor Currentzis verlässt Perm.

Teodor Currentzis dirigiert künftig öfter an den gängigen Adressen. Foto: Keystone

Teodor Currentzis dirigiert künftig öfter an den gängigen Adressen. Foto: Keystone

Susanne Kübler@tagesanzeiger

Es war die verblüffendste Klassik-Geschichte der letzten Jahre: Dass da ein griechischer Dirigent im fernen Uralvorland ein Ensemble aufbaute, das den Musikbetrieb revolutionierte. Dass dort Aufnahmen entstanden, etwa von Mozart-Opern, die so frisch und frei und lebendig klangen, dass sich die Kritiker überschlugen vor Begeisterung. Perm wurde plötzlich zum musikalischen Zentrum: Dank Teodor Currentzis, dem guruhaftesten aller Dirigenten, der 2011 die Leitung des dortigen Opernhauses übernahm.

Aber nun ist die Geschichte zu Ende, der 47-jährige Currentzis verlässt Perm. Nur die Leitung des dortigen Djagilew-Festivals behält er weiterhin. Sein Ensemble MusicAeterna soll künftig in Moskau oder St. Petersburg beheimatet sein – Genaueres wurde bisher nicht mitgeteilt. Auch über die Gründe des überraschenden Abgangs ist nichts zu erfahren. Nicht einmal der Zeitpunkt wurde kommuniziert. Auch das gehört zum Phänomen Currentzis: Dass er nicht erklärt, was er tut.

Abseits der Trampelpfade

Sicher ist, dass sich seine Karriere künftig in weniger abgelegenen Bahnen bewegen wird. 2017 hat er sein Debüt bei den Salzburger Festspielen gegeben. Seit letztem Herbst leitet er als Chefdirigent das SWR-Sinfonieorchester. Und im kommenden September wird er beim Lucerne Festival Mozarts Da-Ponte-Opern dirigieren.

Dass sich Currentzis damit auch musikalisch der Norm annähern wird, ist allerdings nicht zu erwarten. Beim SWR-Sinfonieorchester hat er jedenfalls schon begonnen, die Gebiete jenseits der sinfonischen Trampelpfade zu erkunden. (suk)

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