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Elbphilharmonie-Saal entzaubert

Nach einem Gastspiel des Sinfonieorchesters Basel hagelt es Kritik an der Akustik. Das Publikum konnte Star-Tenor Jonas Kaufmann kaum hören.

Dass die Akustik in der «Elphi» ihre Tücken hat, war bekannt. Neu ist, dass sich mit Jonas Kaufmann ein berühmter Sänger öffentlich dazu äusserst.
Dass die Akustik in der «Elphi» ihre Tücken hat, war bekannt. Neu ist, dass sich mit Jonas Kaufmann ein berühmter Sänger öffentlich dazu äusserst.
Keystone

So hatte sich das Sinfonieorchester Basel sein Debüt in der Hamburger Elbphilharmonie nicht vorgestellt: Bei einem Gastspiel mit dem Startenor Jonas Kaufmann kam es zu lautstarken Unmutsbekundungen im Publikum.

Was war geschehen? Die Stimme Kaufmanns, der die Solos in Mahlers sinfonischem «Lied von der Erde» sang, drang offenbar neben dem Orchester kaum durch. «Herr Kaufmann, wir können Sie nicht richtig hören», soll ein Besucher gerufen haben, «wir hier auch nicht», sekundierte jemand anders: «Singen Sie bitte lauter!» Kaufmann reagierte prompt. Es sei ihm nicht möglich, lauter zu singen, es müsse an der Akustik liegen. «Fragen Sie die Architekten.»

Tatsächlich sass einer der beiden Basler Architekten, Pierre de Meuron, im Publikum. Doch was sollte er schon tun? Die Saalakustik ist das Werk des Akustikers Yasuhisa Toyota. Ein Grossteil des Publikums solidarisierte sich mit dem Sänger und animierte ihn durch Applaus zum Weitersingen – Protestaktionen zum Trotz.

«Dieser Saal gibt einem keine Hilfe»

So entschieden sich ein paar Besucher, durch die Ränge zu wandern und Kaufmanns Vortrag stehend von einer ihnen genehmen Position aus zu verfolgen. Einige verliessen vorzeitig den Saal. Die Protestler störten sich anscheinend nicht nur an der Akustik, sondern auch an den Sichtverhältnissen: Die Tribünen sind um die Bühne angelegt, sodass viele im Rücken Kaufmanns sassen.

Dass der Saal seine Tücken hat, ist nicht neu. Doch es ist das erste Mal, dass ein Star wie Kaufmann öffentlich seinem Ärger Luft macht. «Dieser Saal gibt einem keine Hilfe», erklärte er in einem Zeitungsinterview. Das nächste Mal werde er vielleicht der Hamburger Laeiszhalle den Vorzug geben. Dass sich ein Teil des Publikums geärgert habe, könne er verstehen – nicht aber die lauten Proteste. Diese seien wohl auch darauf zurückzuführen, dass im Saal neben Klassikfans auch Touristen sassen, die einfach mal die «Elphi» erleben wollten.

Die Elbphilharmonie-Direk­tion hat sich inzwischen zur Krisensitzung getroffen. Man sei sich bewusst, dass es bei gross besetzten Werken akustische Probleme geben könne. Es wird aber nicht von der Aufführung solcher Werke abgeraten, auch sind keine grösseren Eingriffe am Saal geplant. «Beim Thema der richtigen Konstellation bei Konzerten mit Gesangsdarbietungen werden wir in Zukunft schon bei der Saalbuchung verstärkt beratend zur Seite stehen», lässt sich die Elbphilharmonie-Führung im «Hamburger Abendblatt» zitieren.

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