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Corona-Fall im Tonhalle-Orchester

Bis 5. April sind alle Konzerte abgesagt. Und die Akkordeonistin Ksenija Sidorova reist wieder nach Hause.

Drei Konzerte hätte Ksenija Sidorova in der Tonhalle Maag spielen sollen. Nun findet keines davon statt. Foto: Sabina Bobst
Drei Konzerte hätte Ksenija Sidorova in der Tonhalle Maag spielen sollen. Nun findet keines davon statt. Foto: Sabina Bobst

Am Dienstag ist die 32-jährige lettische Akkordeonistin Ksenija Sidorova aus ihrer Wahlheimat Madrid nach Zürich geflogen, mit Vorfreude auf ihr Tonhalle-Debüt. Auch mit einem mulmigen Gefühl, wegen Corona. Und weil sie das erste Mal ihre 9 Monate alte Tochter zu Hause liess: «Das fiel mir schwer – aber die Mama braucht halt auch ihre Musik!»

Am Nachmittag hat sie dann geprobt mit dem Zürcher Tonhalle-Orchester und seinem Chefdirigenten Paavo Järvi. Ein zeitgenössisches Stück stand auf dem Programm, «Prophecy» von Erkki-Sven Tüür, «sehr kompliziert, aber es macht Spass». Letzteres war nicht zu übersehen in der Probe: wenn sie fast tanzte mit ihrem Instrument, als sei es nicht 21 Kilogramm schwer, sondern ganz leicht. Und wenn sie Schub gab, trotz der vertrackten Rhythmen immer wieder mitreissenden Schwung fand.

Kein Paavo Järvi, kein Chick Corea

Am Dienstagabend wurde dann bekannt, dass es einen Corona-Verdachtsfall gebe im Tonhalle-Orchester. Das Konzert vom Mittwoch wurde vorsichtshalber abgesagt. Und nun, da sich der Verdacht bestätigt hat, schliesst das Tonhalle-Orchester ganz, bis 5. April. Nicht nur die Konzerte mit Ksenija Sidorova fallen aus, auch Järvis Konzerte mit der Geigerin Lisa Batiashvili und dem Jazz-Pianisten Chick Corea sowie sein erster Zürcher Dirigierkurs. Zum Schutz der Musikerinnen und Musiker, zum Schutz des Publikums.

Was heisst das nun für Ksenija Sidorova? Bekommt sie ihre Gage? Oder einen Teil davon? Im Moment ist das unklar; es habe noch nie einen solchen Fall gegeben, heisst es in der Tonhalle. Man wird in den nächsten Tagen klären, wie man damit umgeht.

Sicher ist, dass die Akkordeonistin schneller als geplant wieder bei ihrer Familie sein wird. Vielleicht wird sie auf dem Flughafen wie schon auf der Hinreise gefragt, ob das eine Schreibmaschine sei, die sie da in ihrem Kasten mittrage. Sie würde Ja sagen, solche Antworten machen ihr Spass. Aber wahrscheinlicher ist, dass keine Fragen kommen: Flughafen-Smalltalk ist in Corona-Zeiten nicht mehr angesagt.

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