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China startet eine Klavier-Offensive

In Peking wird ein neuer Klavierwettbewerb gegründet – mit rekordhohem Preisgeld.

150'000 US-Dollar erhält der Sieger des Klavierwettbewerbs von Peking.
150'000 US-Dollar erhält der Sieger des Klavierwettbewerbs von Peking.
Keystone

Man kann zwar nicht alles kaufen – aber man kanns ja mal versuchen: Nach diesem Motto wird vom 4. bis 21. Mai 2019 in Peking die «First China International Music Competition» durchgeführt. Ein Klavierwettbewerb also, der vor allem mit seinen spektakulären Preisgeldern auffällt: Der Sieger erhält 150'000 US-Dollar, der Zweitplatzierte immer noch 75'000, für Rang drei gibts 30'000.

Zum Vergleich: Beim renommierten Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb ist es der Sieger, der 30'000 US-Dollar erhält – und diese Prämie ist keineswegs schäbig, sondern entspricht den internationalen Gepflogenheiten. Denn es geht bei diesen Wettbewerben ja gar nicht in erster Linie ums Geld. Sondern um die Karriereunterstützung, die man dazu erhält. Und um das Prestige und die Kontakte, die ein Sieg mit sich bringt.

Wer zum Beispiel beim Warschauer Chopin-Wettbewerb den ersten Preis holt, tut es in der Nachfolge von Maurizio Pollini oder Martha Argerich – das macht sich gut im Lebenslauf. Entsprechend gross ist das Interesse von Agenten und Konzertveranstaltern an solchen Siegern: Sie lassen sich gut vermarkten, zumindest eine Zeit lang; danach werden sie selber entweder berühmt sein oder vergessen werden.

Experten aus dem Westen

Ein neu gegründeter Wettbewerb nun hat keine illustren früheren Preisträger zu bieten, und die Kontakte müssen erst einmal aufgebaut werden. Üblicherweise dauert so etwas Jahre. Aber in China wird der Turbo gezündet: mithilfe von sehr viel Geld, das dem Anlass Beachtung verschafft; und mithilfe von Personal, von dem man sich internationale Glaubwürdigkeit verspricht.

So ist der Präsident des Wettbewerbs zwar der im Ausland kaum bekannte chinesische Komponist und Konservatoriumsdirektor Li-Guang Wang, der dieses Amt (wie schon einige andere) zweifellos auch als verdientes Mitglied der Kommunistischen Partei erhalten hat. Aber als künstlerische Leiterin hat man Yoheved Kaplinsky engagiert, die an der berühmten New Yorker Juilliard School unterrichtet. Das dritte Mitglied des Direktoriums ist Richard Rodzinski, der mit dem Tschaikowsky-Wettbewerb und der texanischen Van-Cliburn-Competition gleich zwei der wichtigsten Klavierwettbewerbe geleitet hat.

Auch die Jury ist international besetzt, im Finale werden die Kandidaten vom Philadelphia Orchestra unter Yannick Nézet-Séguin begleitet. Und schon bei der Auswahl dieser Kandidaten ist man streng: Sie werden eingeladen, bewerben kann man sich nicht; zu den Bedingungen zählt, dass sie keine Schüler der Jury-Mitglieder sein dürfen.

Damit kommt China seinem Ziel, zum wichtigen Player im Klassik-Markt zu werden, einen schönen Schritt näher. Schon in den letzten Jahren hat man ja vieles unternommen, das in diese Richtung ging: Dutzende von Konzertsälen wurden gebaut, durch die nun unablässig westliche Orchester touren. Und man hat den Musikunterricht, insbesondere den Klavierunterricht, intensiviert: Zehntausende von chinesischen Kindern lernen Klavierspielen, die Weltstars Lang Lang und Yuja Wang sind da gute Vorbilder. Dass man diese Bemühungen mit einem Klavierwettbewerb fortsetzt, ist nur folgerichtig.

Ob dieser Wettbewerb tatsächlich bedeutend wird: Das wird sich erst noch zeigen. Aber China wird zweifellos alles tun, damit es klappt.

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