Amsel und Esel in der Sommernacht

Das Berner Kammerorchester lud zusammen mit Uwe Schönbeck zur Nocturne. Das war in weiten Teilen erhebend.

Er jauchzte und knurrte, dass es eine Freude war: Uwe Schönbeck.

Er jauchzte und knurrte, dass es eine Freude war: Uwe Schönbeck. Bild: zvg

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Wohliges Erschauern klingt kitschig. Doch wie anders soll man beschreiben, was Jordanka Milkova schon mit ihren ersten Tönen aus Hector Berlioz’ «Les Nuits d’été» erzeugt? Abgegriffene Adjektive wie sinnlich, samten oder dunkel werden dieser Ausnahme-Mezzostimme kaum gerecht. Als gehöre sie jener Amsel aus dem Lied «Villanelle», dem fünf weitere von Liebe, Schmerz und Tod folgten.

Die Bulgarin gestaltete die Gedichte von Théophile Gautier mit so viel Plastizität und Gefühl, dass sie Bild zu werden schienen. Seit dem Konzert von Teresa Berganza vor 25 Jahren dürfte hier kaum ein solcher Alt erklungen sein. Daneben als Orchester zu bestehen, ist nicht leicht. Philippe Bach am Pult nahm sein Berner Kammerorchester denn auch zurück wie ein kluger Liedbegleiter am Klavier als erster Diener der Solistin. Das machte Lust auf mehr.

Schon die Ouvertüre von Felix Mendelssohns Schauspielmusik zu Shakespeares «Sommernachtstraum» gab dazu Gelegenheit. Subtil noch im Intro, hauchzart und sorgfältig jedes Instrument freilegend, legte Bach bald richtig los: Ein Energiebündel, das zuweilen mit jeder Faser seines Körpers dirigiert, da Zeichen setzt, hier Blicke wirft und dort Einsätze gibt. Das gross besetzte Orchester folgte 80 Minuten lang hellwach, wie auch die Damen des Ardent-Vokalensembles, wiederum Jordanka Milkova, dazu Claudia Auf der Maur (Sopran).

Sie alle standen aber ein wenig im Schatten des Einzelkünstlers Uwe Schönbeck. Ist es wirklich möglich, dass der «Berner Burgschauspieler», um ihn mal so zu nennen, immer noch zulegen kann? Dass er all jenen Facetten, die wir von ihm zu kennen glauben, weitere hinzuzufügen vermag? Ja, er kann, und wie.

Ob er in Selbstmitleid zerfliesst, wie er Zettels Verwandlung zum Esel gestaltet, ob er grollt und jauchzt und knurrt und gurrt: ein Erlebnis. Von der Mimik ganz zu schweigen, und auch von vielen feinen Details wie dem bösen Blick zum Dirigenten beim Satz «Alle Harmonie ist dahin!». Was natürlich Unsinn ist – die beiden harmonierten glänzend. (Der Bund)

Erstellt: 21.12.2015, 06:54 Uhr

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