Apokalypse auf dem Julier

Auch in der Schweiz hat die Saison der Klassik-Festivals begonnen – in den Bergen ebenso wie am Wasser.

Joshua Bell, Marc-Andre Hamelin, Steven Isserlis spielen am Klassik-Festival in Verbier (2014). Bild: Keystone

Joshua Bell, Marc-Andre Hamelin, Steven Isserlis spielen am Klassik-Festival in Verbier (2014). Bild: Keystone

Susanne Kübler@tagesanzeiger

Im Sommer zieht es Musikerinnen und Musiker ebenso in die Berge wie ihr Publikum. Und die Höhenluft scheint die Fantasie zu beflügeln. Am originell programmierten Davos Festival (5. bis 19.8.) etwa wird nicht nur im musikalischen, sondern auch im wörtlichen Sinn gespielt: Da gibt es Werke für Spielzeuginstrumente, Debussys «Jeux» oder einen Schachwalzer. Noch höher hinaus geht Origen (bis 18.8.): Das Festival mit Sitz in Riom eröffnet am 3. August einen Turm auf dem Julierpass – mit Gion Antoni Derungs’ Oper «Apocalypse». Die Burg und die Scheune in Riom werden ebenfalls bespielt.

Im idyllischen Musikdorf Ernen (bis 27.8.) geht es dieses Jahr ums Thema Reisen – wobei neben dem bewährten Barockensemble auch der Countertenor Andreas Scholl anreist. Das Verbier Festival (bis 6.8.) präsentiert neben den üblichen Stars mit «Salome», «Elektra» und «Eugen Onegin» drei konzertante Opern. Eine Oper, Verdis «Aida», gibt es auch beim Menuhin Festival Gstaad (bis 2.9.), das sich dem Thema Pomp widmet; einen weiteren Schwerpunkt setzt die Cellistin Sol Gabetta, die mit unterschiedlichen Kolleginnen und Kollegen auftritt (bis 2.9., ). Beim Talis Festival Saas Fee (22. bis 30.7.) treffen sich einmal mehr erfahrene und junge Kammermusiker und Komponisten für Workshops und Konzerte.

Beim Flims Festival (bis 13. August) bedient man mittlerweile auch das Publikum in Laax und Falera mit einem kunterbunten Programm, bei dem Paganini-Fans ebenso auf die Kosten kommen wie Dudelsackliebhaber. Und neu mischt auch Klosters mit in der Festival-Konkurrenz: Das erste Klosters Music Festival(2. bis 6.8.) hat mit dem Trompeter Håkan Hardenberger einen vielseitigen Gastsolisten, auch die Akkordeonistin Viviane Chassot und der Blockflötist Maurice Steger treten auf. Den Schlusspunkt der Bergfestivals setzt die Musikwoche Braunwald (2. bis 8.9.), die als Motto im Einklang mit der Weltgeschichte «Aus den Fugen» gewählt hat – aber durchaus nicht nur Fugen aufführen lässt.

Eher auf einem Hügel als in den Bergen findet die Kyburgiade (4.-8.8.) in Winterthur statt: Im Burghof werden die Grenzen zwischen Klassik und allerlei Volksmusiken verwischt, und das Ensemble L’Arpeggiata widmet sich in Ausschnitten aus Cavalli-Opern der Liebe.

Sonst zieht es die Klassik-Fans im Unterland ans Wasser. Zum dritten Mal finden die Sommerserenaden Rheinau (30.7. bis 5.8) statt, mit Kammerkonzerten in der Klosterschüür. Rheinabwärts in Kaiserstuhl und diversen Gemeinden ennet der Grenze gibt es das Festival der Stille (24. bis 27.8.), das die Stille der Orte mit Klassik, Jazz und einer Hommage ans Berlin der 1930er-Jahre unterbricht.

Auch um den Vierwaldstättersee wird musiziert. Am Stradivari-Fest Gersau (28. bis 30.7.) führt das Stradivari-Quartett seine wertvollen Instrumente vor. Und dann startet schon bald das Lucerne Festival (11.8. bis 10.9.): Unter dem Motto «Identität» präsentiert es neben vielen grossen Namen auch Flüchtlingschöre und -Orchester.

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