Willkommen, Marty McFly!

Heute ist Zukunft: Die Welt, soweit sie sich an den Film «Back to the Future» erinnert, erwartet die Ankunft von Marty McFly.

Zeitreisende: Michael J. Fox, Christopher Lloyd in «Back to the Future 2».


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Der 21. Oktober 2015, das heisst: heute (sofern der normale Zeitbegriff noch gilt) ist der Tag, an dem Doc Brown und Marty McFly im zweiten Teil von «Back to the Future» (1989) in der Gegenwart eintrafen beziehungsweise eintreffen, die ihre Zukunft war beziehungsweise ist. Sie müssten also «hier» sein, wo immer das ist, oder werden hier sein, sofern man nicht annimmt, sie seien auf der Zeitlinie abgebogen und in einer Parallelzeit gelandet an einem anderen, wiewohl gleichzeitigen 21. Oktober. Solche Dinge werden scheints auch für möglich gehalten von der wissenschaftlichen Temporalistik, die sich damit beschäftigt, wie man den sausenden Webstuhl der Zeit als Reisegefährt benützt.

Und rückblickend vorausblickend durch die Augen von Brown und McFly könnte man schon annehmen, es sei ein Abbiegen passiert und es gelte, populärtemporalistisch betrachtet, die sogenannte Viele-Welten-Theorie: So veraltet und dann wieder übertrieben zukünftig, vor allem so modisch verwirrt, als hätten die Achtzigerjahre einfach weiter durchgedreht, sieht in «Back to the Future 2» die Zukunft, die unsere Gegenwart sein soll (und irgendwie auch schon unsere Vergangenheit ist), nämlich aus. Die alte Idee vom fliegenden Autor und die schmerzhaft neue vom goldenen Regenmantel: Gott verhüts! Sehr vertraut wirkt hingegen die Allgegenwärtigkeit flacher gewordener Bildschirme (da siehts im Film ein bisschen aus, wie «jetzt» – verzeihen Sie den unpräzisen Begriff! – in der Zürcher Hauptbahnhofshalle).

Ödipale Herausforderungen

Ein Zeitreisefilm hat ja immer das Problem mit den schnell veraltenden Zukunftsvisionen. Vielleicht ist das gerade das Feine an ihm. Er kombiniert das rein Virtuelle, worin sich die Leute zu allen Zeiten benehmen dürfen wie die Sau im historischen Rübacker, mit dem Wahrscheinlichen, das sich womöglich als Blödsinn herausstellt. Diese Kombination macht die Dimension Zeit doch erst attraktiv und bereisenswert.

Die Temporalistik, als eine schöne Kunst betrachtet, hat sich allerdings ernsthafte Gedanken darüber zu machen, welche Fallen den Reisenden in den Zeitverwerfungen erwarten. Über die Veränderungen einer Gegenwart durch Souvenirs aus der Zukunft beispielsweise. Und insbesondere auch über die Paradoxa, die auftreten können, wenn die Gegenwart in ihrer Vergangenheit herumfuhrwerkt. Allein die Frage, ob man unter Umständen sein eigener Vorfahr werden könnte oder andererseits gar nicht geboren würde, wenn man den Grossvater tötete, stellt einen vor beträchtliche ödipale Herausforderungen.

Ferner erwartet der Reisende oder Reisewillige eine gewisse Eleganz des Fortbewegungsmittels, mindestens so etwas wie die einmal mit Recht als Kreuzung von Hundeschlitten und japanischem Sonnenschirm beschriebene Konstruktion in der ersten Verfilmung von H. G. Wells «The Time Machine» (1960). Dem schwarzen De Lorean des Doc Brown in «Back to the Future» fehlts da ein wenig an versponnener Poesie. Aber er ist von akzeptabler Schnittigkeit, und persönlich würde ich ihn heute wirklich gern leibhaftig durch ein stabiles Wurmloch kommen sehen. Willkommen, Marty McFly, wo immer du bist, warst und sein wirst! (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.10.2015, 15:53 Uhr

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