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Verschwinden Originalfassungen aus dem Kino?

Bis vor wenigen Jahren hatten Schweizer Kinogänger das Privileg, Filme fast ausschliesslich in Originalfassungen zu sehen. Heute ist weit über die Hälfte synchronisiert. In Locarno wurde darüber diskutiert.

Früher untertitelt, heute meist synchronisiert: Grosse Filmproduktionen wie «The Dark Knight Rises».
Früher untertitelt, heute meist synchronisiert: Grosse Filmproduktionen wie «The Dark Knight Rises».

«In Schweizer Schulen werden Kinder immer früher in Französisch und Englisch unterrichtet, warum werden dann Filme immer häufiger synchronisiert», fragte Moderatorin Monika Schärer zu Beginn der Veranstaltung «Man spricht Deutsch – Kino nur noch für Analphabeten?» im Rahmen des Filmfestivals Locarno. «Weil das Publikum es fordert», antwortete der Geschäftsleiter von Warner Bros, Leo Baumgartner. Bei vielen Blockbustern bevorzugten 90 Prozent der Zuschauer die deutsche Fassung gegenüber dem untertitelten Original.

Obwohl Synchronfassungen pfannenfertig aus Deutschland und Frankreich geliefert werden, lassen sich Schweizer Verleiher die Untertitelung 30'000 bis 50'000 Franken je Film kosten – aus Liebe der Branche zum Original, erklärte Baumgartner. Untertitelte Filme würden nicht etwa aus Faul- oder Dummheit abgelehnt, sondern weil Junge – namentlich Immigranten – nicht mehr schnell genug lesen könnten, gab Edna Epelbaum zu Bedenken, deren Kinogruppe Cinévital rund um den Röstigraben geschäftet.

Wettbewerbsvorteil für Festivals

Das allmähliche Verschwinden von Originalfassungen aus den Kinos bedeute aber einen Wettbewerbsvorteil für Filmfestivals, sagte Seraina Rohrer von den Solothurner Filmtagen: Wer Originale bevorzugt, weicht auf Festivals aus, wo praktisch ausschliesslich solche gezeigt werden.

Die allerbeste Lösung wären Originale ohne Untertitel, erklärte der Filmjournalist Benjamin Bögli, den Untertitel vor allem optisch stören. Das sei eine Alternative, die bisher in der Schweiz ausschliesslich von den Genfer Kinogängern akzeptiert werde, fügte Baumgartner an.

(SDA)

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