So geht «Intouchables» auf Amerikanisch

Harvey Weinstein produzierte das US-Remake «The Upside». Doch sein Name fehlt im fertigen Film.

Bryan Cranston (l.) und Kevin Hart in «The Upside». Foto: PD

Bryan Cranston (l.) und Kevin Hart in «The Upside». Foto: PD

Hans Jürg Zinsli@zasbros

Man könnte ja ein Spielverderber sein und sagen, dass «Intouchables» (2011) im Grunde ein unerträglicher Film war. Die Kulturschock-Komödie mit rassistischem Anstrich ging so: Der stinkreiche Philippe ist seit einem Gleitschirmunfall gelähmt und sucht einen neuen Pfleger. Da er keinen Betroffenheits-Schwafler will, engagiert er den vorlauten und vormals kriminellen Driss. Mit dem Resultat, dass der weisse Aristokrat seine ­Lebensfreude zurückerhält, während dem grossmäuligen Schwarzen kulturelle (weisse) Bildung zuteilwird.

Diese klassenübergreifende Verbrüderung, die auf wahren Begebenheiten beruht (nun ja, der imposante Schwarze war in Wirklichkeit ein eher klein gewachsener ­Algerier), funktionierte an den Kinokassen hervorragend. Weltweit spielte der Film über 400 Millionen Dollar ein, in der Schweiz rangiert er mit 1,4 Millionen Zuschauern auf Platz 2 der Bestenliste. Und fairerweise sollte man sagen: «Intouchables» war ein Buddymovie von umwerfender Tragikomik, dessen gewitztem Charme man sich nicht entziehen konnte. Kein Zufall, dass Omar Sy, der den Banlieue-Typen Driss verkörperte, dank diesem Film zum Weltstar avancierte.

Familien- statt Drogenprobleme

Höchste Zeit also für ein Remake? Eigentlich nicht, aber «The Upside», so heisst der Neuaufguss, ist ja auch in erster Linie ein Film für die USA, weil man dort im Kino keine Unter­titel lesen und auch keine Filme von und mit unbekannten Franzosen sehen will. «Intouchables» spielte in den USA magere 10 Millionen Dollar ein, «The Upside» steht inzwischen bereits bei 105 Millionen Dollar.

Im Remake von Neil Burger wird die Geschichte aus der Pariser Villa in ein New Yorker Penthouse verlagert, die Lovestory in der zweiten Filmhälfte wurde verkompliziert, die Darsteller Bryan Cranston («Breaking Bad»), Kevin Hart (geschasster Oscar-Moderator) und Nicole Kidman spielen auf der emotionalen Schlaffheitsstufe eines Müsliriegels. Am schlimmsten aber hat es den Pfleger Driss erwischt, der nun Dell heisst: Er darf keinen Drogenhintergrund mehr haben, sondern muss sich mit Familienproblemen herumschlagen.

Aus der Konkursmasse

Interessanter als die laue Adaption ist die Entstehungsgeschichte dieses Werks – und die führt zum Produzenten Harvey Weinstein. Der hatte 2011 die Rechte am Originalfilm für die USA erworben und kurz darauf auch das Remake in Auftrag gegeben. Mit seiner typischen Lautsprechermentalität rief Weinstein «The Upside» bereits während der Dreharbeiten zum grossen Oscar-Anwärter aus. Aber dann kamen die sexuellen Übergriffigkeiten des Produzenten ans Tageslicht, seine Firma ging bankrott, und «The Upside» – der Film feierte bereits 2017 in Toronto Premiere – verschwand in der Konkursmasse.

Dort wäre der Film wohl auch geblieben, hätte nicht Lantern Capital, eine auf Misswirtschaftsaufkäufe spezialisierte Firma, 2018 die Weinstein Company übernommen. Lantern Capital, die mit dem Unterhaltungsbusiness nichts am Hut hatte, gründete darauf Lantern Entertainment und fand in STX Entertainment einen Verleiher. Da neben den Weinsteins auch die Produktionsfirma Escape Artists beteiligt war, bot sich Lantern die Möglichkeit, den geschäftsschädigenden Namen Weinstein aus «The Upside» zu tilgen und andere Produzenten vorzuschieben.

Was dann auch geschah. Die Credits des Films sind jetzt schöngefärbt – und wenn man es sich recht überlegt, passt das gar nicht schlecht zu dieser etwas abgestandenen Männerverbündungsfabel.

Ab 14. März im Kino.

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