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Schwingtipps von Doris Leuthard und Beat Schlatter

Die Kluft zwischen Stadt und Land wird derzeit allseits beklagt. «Hoselupf - Oder wie man ein Böser wird» sorgt für etwas binneneidgenössische Verständigung.

In dem Dokfilm von This Lüscher macht sich ein Städter auf, den Schwingsport kennenzulernen. Der bald 50-jährige Komiker und Schwinglaie Beat Schlatter will es dabei wirklich wissen. Er führt nicht nur als Präsentator durch den Streifen, sondern lässt sich auch auf einen Kampf mit dem 16- jährigen Nachwuchstalent Martin Aeschlimann ein. Am Eidgenössischen in Frauenfeld kommt es zum Showdown.

Davor erfahren die Zuschauer auf amüsante Weise viel über eine Sportart, die vielen Schweizern trotz zuletzt grosser Medienpräsenz sehr fremd sein dürfte. Mit einem Mythos räumt der Film beiläufig auf: Von einem «Nationalsport» kann beim Schwingen, das im Tessin und in der Romandie kaum praktiziert wird, nicht die Rede sein.

Es handelt sich vielmehr um eine sprachregionale Angelegenheit der Deutschschweiz. Ansonsten ist «Hoselupf» von This Lüscher kein Beitrag, der Traditionen kritisch beleuchten möchte. Noch ganz der Swissness-Euphorie der Nuller-Jahre verpflichtet, zelebriert er freundliches Brauchtum.

Kein Sport wie jeder andere

Die voluminösen Sportler, die in dem Dokfilm Auskunft geben, sind fast ausnahmslos lustige, aufgeschlossene Kerle. Auch einem schwarzen, schwulen oder kosovarischen Schwingerkönig würden sie dereinst umstandslos Respekt zollen, denkt man.

Nicht immer war die Toleranz so gross, wie im Film zu erfahren ist. Als Ende des 19. Jahrhunderts ein aus Bulgarien stammender Sportler den Titel holte, taten sich die Schwinger schwer damit. Der Mann musste Jahrzehnte warten, bis er als König anerkannt wurde.

Dass Schwingen auch heute noch kein Sport wie jeder andere ist, wird in Sequenzen spürbar, in denen aktuelle und ehemalige Grössen über die Professionalisierung sprechen. Schwingerlegende Karl Meli will nur Sportler in den Sägemehlringen sehen, die zu mindestens 90 Prozent einer Arbeit nachgehen - die jüngere Generation ist da legerer.

Lüscher wartet mit viel Prominenz auf, längst nicht nur aus der Schwingszene. Bundesrätin Doris Leuthard gibt Beat Schlatter vor dessen Kampf nützliche Tipps, Sportminister Ueli Maurer wettet mit ihm darum, wer Schwingerkönig wird. Der Komiker Massimo Rocchi erzählt, wie er die urschweizerische Sportart einst in Italien präsentierte.

Heiterer Film ohne Bösewichte

Viele dieser Szenen sind rasant und witzig, doch es gibt auch ernsthafte und stille Momente: In einem davon berichtet Karl Meli erschütternd von einem Kampf in seiner Jugend, bei dem sich ein Gegner das Genick brach und gelähmt wurde.

Zu weiten Teilen ist «Hoselupf - Oder wie man ein Böser wird», den die Macher als «Pop-Doc» im Stile von Bill Mahers «Religulous» (2008) bezeichnen, allerdings ein heiterer Streifen.

Es sind zwar viele Böse zu sehen, wie die Besten im Schwingen genannt werden, aber keinerlei Bösewichte. Der Schwingerkönig der Jahre 1998, 2004 und 2007, Jörg Abderhalden, wollte bei den Dreharbeiten nicht mittun und wird zum Ziel sanfter Seitenhiebe.

Deutschschweizer Kinostart am 17. März

SDA/phz

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