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Olivier Père Direktor des Filmfestivals Locarno

Der Franzose Olivier Père wird Direktor des Filmfestivals Locarno. Der 38-Jährige wird im September 2009 die Nachfolge von Frédéric Maire antreten, der die Leitung der Cinémathèque suisse übernehmen wird.

Festival-Präsident Marco Solari bezeichnete Père am Donnerstag an einer Medienkonferenz als Wunschkandidaten. Der derzeitige Leiter der Quinzaine des réalisateurs von Cannes sei vom Verwaltungsrat per Akklamation gewählt worden.

Die 62. Ausgabe des Filmfestivals von Locarno vom 5. bis 15. August 2009 wird Père als Beobachter mitverfolgen. Sein Amt wird er erst nach dem Abgang von Maire antreten. Père kündigte an, dass er «nicht alles auf den Kopf stellen» werde. Er sieht seine Aufgabe in erster Linie in der Entdeckung und Förderung des jungen internationalen Autorenfilms. Dies habe er seit 2004 bereits im Rahmen der Quinzaine des Réalisateurs getan. Rasch Karriere gemacht.

Kenner des Arthouse-Films

Der 1971 in Marseille geborene Père studierte an der Sorbonne in Paris Geisteswissenschaften. Nach einem Wechsel 1995 zur Cinémathèque française wurde er bald Programmverantwortlicher und organisierte zahlreiche Hommagen und Themenzyklen.

Gleichzeitig begann er 1996 eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Festival Entrevues von Belfort, für das er Retrospektiven organisierte. Ab 1997 arbeitete er für die Kulturzeitschrift «Les Inrockuptibles», für die er regelmässig über Kino und Fernsehen schrieb. Seit nunmehr vier Jahren ist Père Leiter der Quinzaine des réalisateurs, der renommierten unabhängigen Programmsektion des Festivals von Cannes.

Überraschung

«Diese Programmsektion kommt dem Profil von Locarno sehr nahe», sagte Solari. Denn es richte seinen Fokus ebenfalls auf das junge Kino und Talente. Dennoch kommt die Wahl von Père überraschend. In Tessiner Medien waren vorher die Namen von Maurizio Nichetti, dem Direktor des Filmfestivals von Trento, sowie von Alberto Barbera gehandelt worden, dem Chef des italienischen Kinomuseums in Turin.

Auf Père wartet in Locarno keine leichte Aufgabe. Das 1946 gegründete Festival war zuletzt viel kritisiert worden. In diesem Sommer häuften sich die Stimmen, die Locarno Publikumswirksamkeit und Glamour vermissten. Solari wollte am Donnerstag nicht mehr auf diese Polemik eintreten.

Reaktionen: Gute Wahl

In der Schweizer Filmbranche wird die Wahl von Père begrüsst. Ivo Kummer etwa, der Direktor der Solothurner Filmtage, ist überzeugt, dass Père das Filmfestival von Locarno vorwärtsbringen wird. Locarno brauche dringend einen Direktor wie ihn, nämlich mit einem internationalen Netzwerk, «damit sich endlich wieder etwas bewegt».

«Eine gute Wahl», lobte auch Micha Schiwow, der Direktor von Swiss Films. Père sei ein profunder Kenner des Weltkinos und ein dezidierter Förderer des Autorenfilms. Deshalb passe er ausgezeichnet zum von Solari propagierten Profil eines Autorenfilm-Festivals.

Selbst Nicholas Bideau, der Filmchef beim Bundesamt für Kultur, der selber als Locarno-Anwärter gehandelt wurde, ist zufrieden mit der Neubesetzung. Er sei überzeugt, Père werde in Locarno das ideale Gleichgewicht zwischen reinem Arthouse-Festival und Glamour-Event finden.

SDA/rb

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