Nach 13 Jahren strahlt der Anlass noch ein bisschen heller

Bald beginnt das 13. Zurich Film Festival. Es gibt viele Stars zu sehen – auf der Leinwand genauso wie in echt.

Glenn Close zeigt in Zürich ihren neusten Film: «The Wife». Sie erhält auch einen Award für ihr Lebenswerk. Foto: Meta Film

Glenn Close zeigt in Zürich ihren neusten Film: «The Wife». Sie erhält auch einen Award für ihr Lebenswerk. Foto: Meta Film

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Wann hat das eigentlich begonnen mit der etwas preziösen, auf Weltläufigkeit pochenden Schreibweise des Namens: «Zurich Film Festival»? Es ist jedenfalls so lange her, dass man sich daran gewöhnt hat. Man denkt sogar, es gehöre sich so. Und das ist auch ein Zeichen dafür, wie dieses Zürcher Filmfestival sich etabliert hat in den letzten 13 Jahren. In der Stadt sowieso, aber auch ein wenig in der grösseren, weiteren, kunst- und filmsinnigen Welt, wie angedeutet wurde an der gestrigen Medienkonferenz zum Festivalprogramm.

Bei diesem Anlass empfand man es bereits als schöne Tradition, dass die Co-Direktorin des Zurich Film Festivals (ZFF), Nadja Schildknecht, von Konstanz, Wachstum und Mass sprach, die solide Unterstützung durch die öffentliche Hand verdankte, die stabile Treue alter Sponsoren würdigte und sich über neue Partner wie Samsung freute. Über 150 Partnerschaften seien dieses Jahr insgesamt zustande gekommen, «das ist einzigartig in der Schweizer Festivallandschaft».

Etwas weniger Filme

Kunst und ihr filmpoetischer Glanz gründen ja auf einer Prosa der Zahlen: Das Budget, wiederum ganz leicht angestiegen, beträgt 7,3 Millionen Franken. Mit 90 000 Besuchern wird gerechnet, auch das wäre ein massvolles Wachstum. Mit dem Riffraff an der Zürcher Neugasse ist ein neues Festivalkino dazugekommen, 15 Säle sind es jetzt insgesamt. Und da scheint nun in jeder Beziehung genug Atemluft vorhanden für ein Angebot und die gepflegte Präsentation von 160 Filmen. Diese Zahl übrigens ist die einzige, die gegenüber dem letzten Jahr (172 Filme) leicht gesunken ist – wogegen aber auch der Wachstumsbessenste nicht wirklich etwas haben kann.

Für die Ankündigung von Glanz und Kunst ihrerseits war – auch das ist Festivaltradition – der künstlerische Leiter und ZFF-Co-Direktor Karl Spoerri zuständig. Wobei auch hier ein paar Zahlen Orientierungshilfe geben: In drei Wettbewerben (Internationaler Spielfilm, Internationaler Dokumentarfilm, Fokus: Schweiz, Deutschland, Österreich), wie immer dotiert mit Preisgeldern von insgesamt 70'000 Franken, konkurrieren 38 Filme, darunter sechs Schweizer Produktionen (aber keine im internationalen Wettbewerb und nur eine unter den Dokumentarfilmen). Man hat dann allerdings auch immer gern ein künstlerisches Label, unter dem so eine Konkurrenz sich resümieren liesse. Man werde, fasste Spoerri zusammen, vor allem in den Spielfilmen die Häufigkeit «dysfunktionaler Familien» nicht übersehen können; ebenso wenig die vielen «Aussenseiter», die sich durchkämpfen, auch nicht die «zerbrechenden Idyllen» und das Erlebnis von «schmerzlichem Verlust» in ernsten und grotesken Dramen. Dies neben den ohnehin beständigen Werten einer rechten ZFF-Auswahl: der originellen filmischen Identität und dem Erkenntnis schaffenden «Blick hinter die Schlagzeilen».

In den gezeigten Filmen der Wettbewerbe werden dieses Jahr auffällig viele Familien und Idyllen zerbrechen.

Dazu die grossen oder doch grösseren Namen, «ohne die das ZFF nicht das ZFF wäre» (Spoerri): Die amerikanische Schauspielerin Glenn Close («Fatal Attraction») wird kommen. Sie wird – am ersten Festivalwochenende eines «starken ZFF-Jahrs der Frauen», wie Nadja Schildknecht sagte – den «Golden Icon Award» und die Ehre einer Filmretrospektive erhalten. Der Regisseur und Produzent Rob Reiner, der hier seinen Politfilm «Shock and Awe» als Weltpremiere zeigen wird, empfängt den «A Tribute to . . . Award». Und beide werden dann auch Gast bei einem der publikumsfreundlichen «ZFF Masters» sein – so wie später die Schauspielerin und Produzentin Alicia Vikander («The Danish Girl») oder der Schauspieler Andy Serkis, der unvergesslich verschleimte Gollum in «The Lord of the Rings». Zudem geht ein «Career Achievement Award» an den Drehbuchautor Aaron Sorkin, der jetzt auch Regie führt («Molly’s Game»). Ferner erhalten die Schauspieler Jake Gyllenhaal und Andrew Garfield («The Amazing Spider-Man») zwei «Golden Eyes». Kurzum: Man kann sich nicht beklagen, die Praxis der Glanzerzeugung verstehen sie am ZFF seit Jahren richtig gut.

Das Festival dauert vom 28. September bis zum 8. Oktober. Bundespräsidentin Doris Leuthard wird die Eröffnungsrede halten, den Reigen der Filme wird die schwedische Produktion «Borg/McEnroe» eröffnen, da geht es dann um Tennis der Extraklasse. Und bei dieser Ankündigung brach aus dem nicht zum Überborden neigenden Direktor Karl Spoerri der offenbar begeisterte und scheints gar nicht so schlechte Tennisspieler. Er nannte das 13. Jahr des ZFF «mein Glücksjahr».

Programminformationen: www.zff.com (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.09.2017, 19:35 Uhr

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