Meryl Streep macht auf Rockerlady

Das Filmfestival von Locarno eröffnete gestern Abend mit einem Kurzauftritt des Hollywoodstars Edward Norton und dem Musikfilm «Ricki and the Flash».

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Matthias Lerf@MatthiasLerf

Kurz vor Mitternacht griff gestern Abend Meryl Streep nochmals zur Gitarre. Vor 8000 Personen spielte sie den Song «My Love Will Not Let You Down» von Bruce Springsteen und kaum jemand auf der prallvollen Piazza von Locarno wurde enttäuscht. Es war das rührende Ende eines einfachen, aber ehrlichen Rock-’n’-Roll-Streifens, der das grösste Filmfestival der Schweiz eröffnete.

Meryl Streep spielt in «Ricki and The Flash» eine Rocksängerin. Die 66-Jährige singt, stampft und hat ein so freches Mundwerk, dass es eine wahre Freude ist. Dann aber ist ihre Tochter in Schwierigkeiten. Und die Gitarren-Lady soll deswegen ins gestopfte Heim ihres Ex-Mannes zurückkehren, in das sie so gut passt wie ein Harfenorchester auf die Rock-’n’-Roll-Bühne. Ach ja, und diese Tochter wird von Mamie Gummer gespielt, der echten Tochter von Meryl Streep.

Excellence Award für Norton

Für ein ganz grosses Fest auf der Piazza fehlte eigentlich nur ein Vertreter des Films zur Präsentation, aber die Hauptdarstellerinnen und Regisseur Jonathan Demme – er hat einst «The Silence of the Lambs» gedreht – waren unabkömmlich, weil «Ricki» zwei Tage nach der Weltpremiere von Locarno in den USA startet. Verleiher Disney machte das wett, indem er auf der Piazza 4500 Rosen verteilte. Und 80er-Jahre-Ikone Rick Springfield – er spielt Meryl Streeps Gitarristen und Lover – rief in einem Video zu einem Wettbewerb auf, in dem es eine von ihm signierte Gitarre zu gewinnen gibt. Und ein Dinner for 4.

Guten Appetit, und Hollywood war gestern trotzdem auf der Piazza: Edward Norton, von dem am Nachmittag schon «Fight Club» zu sehen war, erhielt den Excellence Award. Er verkörpert sozusagen idealtypisch den grossen Hollywoodfilm und die unabhängige Filmkunst in einer Person. Und brachte in seiner kurzen Dankesrede Kommerz und Kunst auch ideal zusammen: Er bedankte sich bei Sponsor Moët & Chandon, dass er ihm und seiner Familie Kurzferien im Tessin ermögliche. Und erinnerte an die lange Filmtradition von Locarno mit grossen Namen und grossen Filmen.

Grosszügige Spenden

Die Kunst – und manchmal auch der Kommerz – werden nun zehn Tage lang im Tessin gefeiert, bis am 15. August die Leoparden verteilt werden. Das Markenzeichen von Locarno stand allerdings schon gestern im Mittelpunkt. Bundesrat Alain Berset sagte in seiner Rede am Eröffnungsempfang, der Leopard sei in der Schweiz ein geschütztes Tier, darüber wolle er «mit der Verve des WWF wachen». Worauf der Festivalpräsident Marco Solari gut gelaunt zurückgab, in diesem Fall werde er seine WWF-Spende verdoppeln. Bevor der Presidente wie gewohnt die künstlerische Freiheit sowie die Stärke und die Unabhängigkeit seines Festivals hochhielt. Danach gab es Fotos mit Edward Norton.

Es war ein stimmungsvoller Abend auf der Piazza Grande. Der gefeierte Film «Ricki and the Flash» kommt am 3. September in die Deutschschweizer Kinos. Für alle, die nicht so lange warten können, hier die beste Dialogszene daraus. Meryl Streep taucht am Ende doch noch an der Hochzeit ihres Sohnes auf, zu der sie gar nicht eingeladen war. «Woher kennen Sie den Bräutigam», wird sie an ihrem Tisch gefragt. «Vom Kaiserschnitt», lautet ihre Antwort.

DerBund.ch/Newsnet

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