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Marc Forster: «Ich mag leidende Figuren»

Marc Forster über fehlende Gadgets und seine täglichen Kompromisse als Regisseur von «Quantum of Solace».

«Am Anfang war ich gar nicht erpicht darauf, bei «Quantum of Solace» Regie zu führen. Ich habe lange gezögert. Bond als Figur wird ja mit jedem neuen Darsteller wieder neu erfunden. Das war auch bei Daniel Craig so, als er in «Casino Royale» einen menschlicheren Bond verkörperte, und das hat dann doch mein Interesse geweckt: Dieser Bond ist eine isolierte, gebrochene Figur. Ich wollte diesen Bond aufgreifen und bei dem Schmerz einsetzen, den er am Ende von «Casino Royale» verspürt, als er die Liebe seines Lebens verloren hat.

Ich selbst war als Kind auch oft allein. In diesem Sinne kehre ich mit meinen Filmen immer wieder zu meiner Kindheit zurück: Ich mag introvertierte, leidende Figuren (lacht). Gut möglich, dass das mit meiner Kindheit zu tun hat. Aber ich glaube, dass ein Mensch sein Gleichgewicht nur findet, indem er sich von seiner Vergangenheit zu befreien sucht. Bond, glaube ich, kann das nicht. Er ist ja ein Killer, und jeder, der andere Menschen tötet, wird immer ein Gefangener seiner Vergangenheit bleiben.

Die Härte, mit der Daniel Craig seinen Bond spielt, ist ja viel näher bei der Figur, wie sie einst von Ian Fleming erschaffen wurde. Und man findet in «Quantum of Solace» eine Menge Verweise auf frühere Bond-Filme – nicht nur jenes offensichtliche Zitat aus «Goldfinger». Warum es keine Gadgets gibt? Bei Gadgets denke ich heute eher an Superhelden als an Bond. Ausserdem haben wir doch schon genug Gadgets in unserem Alltag. Beim nächsten Film könnte man diese Elemente diskret wieder einführen, aber hier hätten sie nicht gepasst. Und dann die Sache mit dem Humor: Es gibt ja durchaus einen trockenen Humor in «Quantum of Solace», aber eben nicht diese klassischen Einzeiler, die einen zum Lachen bringen.

Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass ich mich bei «Quantum of Solace» auf ständige Konflikte mit den Produzenten einlassen würde. Es gab ja auch noch kein fertiges Drehbuch, als ich anfing. Ich stiess dann aber auf gar keinen Widerstand mit meinen Ideen. Nur beim Budget musste ich Kompromisse machen, wenn es jeweils hiess: Das können wir uns nicht leisten. Aber diese Kompromisse macht man bei jedem Film. Das ist nicht anders, ob ich nun «The Kite Runner» für 21 Millionen Dollar drehe oder «Quantum of Solace» für 250 Millionen Dollar. Man muss dauernd entscheiden, für welche Szenen man kämpfen will und von welchen man sich trennen kann. Bei der Verfolgungsjagd mit den Booten hätte ich gerne noch in einem Mangrovenwald gedreht, wo die Wracks gesunkener Schiffe aus dem Wasser ragten. Das hätte eine spektakuläre Kulisse abgegeben, aber leider lag das nicht mehr drin. Auch die Eröffnungssequenz in Siena hätte ich schneiden sollen, aber die wollte ich mir nicht nehmen lassen.

Es ist schon absurd: Diesen Film werden wohl mehr Leute sehen als alle meine bisherigen Filme zusammen. Die Produzenten haben mich auch schon gefragt, ob ich beim nächsten Bond-Film wieder Regie führen würde, aber ich will jetzt lieber wieder was Kleineres drehen. Zuerst brauche ich sowieso Ferien. Ich muss ausruhen und brauche dringend Schlaf.»

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