Zum Hauptinhalt springen

Macht, Loyalität, Sex und Verrat

Das Filmfestival von Venedig ist gestern Abend mit dem Politthriller «Die Iden des März» von Hollywoodstar George Clooney eröffnet worden. Heute wird der erste Schweizer Film gezeigt.

«Dort gibt es schon einen Typen, der viel schöner ist als ich»: George Clooney (hier bei seiner Ankunft am Festival in Venedig) will nicht ins Weisse Haus.
«Dort gibt es schon einen Typen, der viel schöner ist als ich»: George Clooney (hier bei seiner Ankunft am Festival in Venedig) will nicht ins Weisse Haus.
Keystone

Zur Gala zur Eröffnung schritt Clooney ohne weibliche Begleitung, seinen jubelnden Fans gab er minutenlang Autogramme. Auch Diane Kruger, in ein goldcremefarbenes Abendkleid gehüllt, und Cindy Crawford in Rot zückten den Stift für die Wartenden.

Nicht nur Oscar-Preisträger Clooney selbst entzückte die Festivalgänger, auch sein Film überzeugte als clever erzähltes Politdrama, das dem Festival einen äusserst gelungenen Auftakt bescherte. Dort gehört «The Ides of March» zu den 23 Beiträgen, die um den Hauptpreis, den Goldenen Löwen, konkurrieren.

Lieber Hollywood als Washington

Clooney verkörpert im Film den US-Gouverneur und Präsidentschaftskandidaten Mike Morris, einen durch und durch liberalen Demokraten, der für Abtreibung und die Ehe Homosexueller ist. Ein sympathischer Politiker, volksnah, schlagfertig und charmant. Doch seine Chancen auf einen Sieg verschlechtern sich – das Lager seines schärfsten Konkurrenten greift zu radikaleren Massnahmen als Morris das selber tun möchte.

Regisseur Clooney belässt es aber nicht bei einem politischen Schlagabtausch. Angelehnt an den Untergang von Julius Cäsar sind die titelgebenden «Iden des März» ein Synonym für bevorstehendes Unheil. Der 50-jährige Clooney schaut hinter die Kulissen einer Partei, zeigt Grabenkämpfe, Intrigen, Affären und Lügen. Clooney hat nach eigenen Angaben keine Ambitionen, ins Weisse Haus einzuziehen. Dort gebe es mit US-Präsident Barack Obama schon «einen Typen, der viel schöner ist als ich und mehr Mitgefühl mitbringt als irgendeiner», sagte er.

George Clooney schrieb das Drehbuch von «The Ides of March», führte Regie und spielt in dem Film auch die Hauptrolle des US-Präsidentschaftskandidaten. Ryan Gosling spielt den Pressesprecher, Paul Giamatti und Philip Seymour Hoffman liefern sich ein Duell als Wahlkampfmanager.

Harte Konkurrenz – auch aus der Schweiz

Clooney konkurriert bei dem elftägigen internationalen Filmfest in Venedig mit mehr als 20 Regisseuren um den Goldenen Löwen. Zu seinen Konkurrenten zählt der französisch-polnische Filmemacher Roman Polanski, der das Bühnenstück «Der Gott des Gemetzels» mit gleich drei Oscar-Preisträgern verfilmte.

In der deutsch-französisch-polnischen Ko-Produktion spielen der Österreicher Christoph Waltz, die britische Schauspielerin Kate Winslet und US-Star Jodie Foster. Auf dem Lido werden im Lauf des Festivals unter anderem Keira Knightley, Matthew McConaughey, Monica Bellucci, Selma Blair, Gary Oldman und Willem Dafoe erwartet.

Schweizer Uraufführung

Ausserhalb des Wettbewerbs um den Goldenen Löwen werden 19 Spielfilme vorgestellt, darunter «Giochi d'estate» («Summer Games») des Schweizers Rolando Colla. Der erste Schweizer Film im Hauptprogramm des Festivals seit 2004 wird heute Donnerstag uraufgeführt.

Popstar Madonna präsentiert in Venedig ihren zweiten Spielfilm mit dem Titel «W.E.», bei dem sie die Liebesbeziehung zwischen dem britischen König Edward VIII. und Wallis Simpson mit der Romanze einer Frau von heute verwebt.

Leiter der internationalen Jury ist der Regisseur Darren Aronofsky («Black Swan»). Zum ersten Mal seit Kriegsende werden sämtliche Spielfilme des Festivals – deren 66 – in Venedig ihre Weltpremiere feiern.

SDA/ami

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch