Lummerland kommt auf die Leinwand

Die Abenteuer von «Jim Knopf» neu zu verfilmen, war ein Risiko. Doch der 25 Millionen Euro teure deutsche Film ist gelungen.

Mit Dampflok Emma auf grosser Abenteuerfahrt: Jim Knopf (Salomon Gordon) und Lokomotivführer Lukas (Henning Baum). Foto: Warner Bros.

Mit Dampflok Emma auf grosser Abenteuerfahrt: Jim Knopf (Salomon Gordon) und Lokomotivführer Lukas (Henning Baum). Foto: Warner Bros.

Jene Insel mit zwei Bergen und dem tiefen weiten Meer, die sich der Schriftsteller Michael Ende in den Fünfzigerjahren ausdachte, hat sich über die Jahrzehnte mit einem gewissen Bastelstunden-Charme ins allgemeine Bildergedächtnis eingebrannt. Die Marionettenadaptionen von «Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer» durch die Augsburger Puppenkiste, in denen die Dampflok Emma unter Wolken aus Watte durch ein Meer aus Plastikfolie tuckerte, waren der ultimative Modelleisenbahnkeller-Traum. Zugleich bewahrten sich die Puppenspieler aber die sanfte Ironie der Bücher und unterwanderten das graue deutsche Nachkriegsfernsehen mit einer guten Portion Anarchie und Slapstick.

Bei so einem lieb gewordenen Klassiker ist ein Remake natürlich eine riskante Sache. Erst recht, wenn man nicht mehr auf Puppenkisten-Surrealismus, sondern auf hyperreale Effekte aus dem Computer setzt. In diesem Fall muss man aber sagen: Mission gelungen.

Der neue «Jim Knopf» hat immer noch den Charme des Buchs, und Regisseur Dennis Gansel nimmt an genau den richtigen Stellen die notwendigen, aber dezenten Modernisierungsmassnahmen vor. So sieht etwa Jim Knopf (Salomon Gordon) jetzt nicht mehr nach dem Phänotyp Sarotti-Mohr aus, sondern so wie es sich gehört – wie ein richtiger Junge.

Analoge Bauten, digitale Tricks

Der Handlung des ersten Jim-Knopf-Bandes bleibt Regisseur Gansel weitestgehend treu. Darin kommt das Findelkind Jim in Lummerland an. Auf der idyllischen Zwei-Berge-Insel wird es von der freundlichen Frau Waas (Annette Frier) und dem gutmütigen Lokomotivführer Lukas (Henning Baum) grossgezogen. Bis es dem Inselkönig Alfons, dem Viertel-vor-Zwölften, etwas zu voll wird in seinem kleinen Reich und Jim und Lukas mit Lokomotive Emma auf grosse Abenteuerfahrt gehen. Denn draussen in der Welt gibt es viel zu tun, eine Prinzessin muss befreit, ein Drache besiegt und das Rätsel um Jims Herkunft gelöst werden.

Die Stationen dieser Reise – das Kaiserreich Mandala, das Land der 1000 Vulkane und die Drachenstadt – werden durch eine schöne Mischung aus analogen Kulissenbauten und Digitaltricks dargestellt, was dem Film einen freundlicheren und vor allem für Kinder entspannteren Look verleiht als eine reine Visual-Effects-Orgie aus dem Computer. Trotzdem brauchen sich die Spezial­effekte nicht hinter US-Produktionen zu verstecken, was wohl dem fürs hiesige Kino extrem üppigen Budget von knapp 25 Millionen Euro zu verdanken ist.

Ab heute in Zürich in den Kinos Abaton, Arena, Capitol, Corso, Houdini, Kosmos und Stüssihof.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...