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Kurzfilm der Woche: Nicht zum Lachen!

Wenn Menschen über den Tod ihrer Liebsten reden, ist Lachen absolut tabu. Bei der Schweizer Satire «Emozioniere» geht es aber gar nicht anders.

Eine Träne für die eine, ein Schluck für die andere: Protagonistinnen aus «Emozioniere» von Simon Baumann und Andreas Piffner.

Da sitzen sie wie ein Häufchen Elend am Stammtisch einer typischen Schweizer Beiz, schauen traurig in die Kamera, die Schultern hängend. Sie warten darauf, bis das Interview losgeht. Zwei Frauen – die eine Schweizerin, die andere mit italienischem Akzent –, ein junger Mann mit pinkfarbener Wollmütze und eine gepflegte Blondine fortgeschrittenen Alters.

Ein Dokumentarfilm übers Sterben, den Verlust der Liebsten soll es werden und sie alle sollen mithelfen. Solche Filme räumen regelmässig ab an Festivals. Mit «Emozioniere» haben Simon Baumann und Andreas Pfiffner dasselbe vor und geben alles, um möglichst herzzerreissende Gefühlsausbrüche aus ihren Gesprächspartnern herauszukitzeln. Ein wenig Nachhelfen kann da nicht schaden, oder? Eine Träne aus dem Wasserglas vielleicht?

Die beiden Filmemacher spielen mit ihren Protagonisten, aber vielleicht noch mehr mit den Zuschauern. Man weiss bald nicht mehr, wie einem geschieht. Das anfängliche Mitgefühl kippt von Fremdschämen in Mitleid, und je länger es geht, desto schwieriger wird es, sich das Lachen zu verkneifen – spätestens dann, wenn die Italienerin über das Sterben ihres Neffen in Milano erzählt und dabei ein Stück Zwiebel zwischen ihren Fingern zerreibt. Darf man lachen? Soll man? Mit ihren Off-Kommentaren treiben die Filmemacher das Ganze auf die Spitze.

Arme Protagonisten?

«Emozioniere» ist eine herrliche Satire auf die kleineren und grösseren Manipulationen vor und hinter der Dokumentarfilmkamera. Simon Baumann und Andreas Piffner haben damit unter anderem 2009 den Nachwuchsförderpreis des Kantons Bern gewonnen und durften ihren Kurzfilm an verschiedenen nationalen und internationalen Festivals zeigen. Bloss die Interviewpartner tun einem am Ende ein wenig leid. Wissen sie, was mit ihnen da gespielt wird? Oder sind sie ganz einfach selber schuld?

Auch in ihrem neusten Dokumentarfilm «Image Problem» (hier geht es zum Trailer) gehen die Berner Filmemacher nach demselben Prinzip vor. Wieder werden die Hauptdarsteller manipuliert, erneut legen sie die Machart des Dokumentarfilmens offen. Ihre Satire handelt vom schlechten Image der Schweiz, ihre Protagonisten sind hauptsächlich Leute von der Strasse. Sie sollen den Ruf der Schweiz im Ausland wieder zurechtrücken, der nach Schwarzgeldaffären oder dem Minarettverbot in Schieflage geraten war. Vor laufender Kamera sollen sie eine Entschuldigung ablesen. Was folgt, ist das gesamte Spektrum von Reue bis Rassismus.

Am Filmfestival Locarno wurde der Film erstmals gezeigt und löste im Publikum heftige Diskussionen aus. «Darf man Leute von der Strasse derart vorführen?», fragten die einen. Sind die Filmemacher zu weit gegangen? Derweil konnten sich andere vor Lachen kaum halten. Ab kommendem Donnerstag werden die Diskussionen erneut entflammen. Dann startet «Image Problem» im regulären Kino. Sicher ist: Wem «Emozioniere» gefällt, dürfte sich auch bei Baumanns und Pfiffners neustem Werk köstlich amüsieren.

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