Kino, intravenös verabreicht

Vorsprung durch Technik? Am Donnerstag öffnet das neue Multiplexkino Cinedome in Muri. Der «Bund» hat sich der aktuellsten Überwältigungsmechanik vorab schon einmal ausgesetzt.

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Regula Fuchs

Der muskulöse Hulk steht bereit, auch Spiderman und Batman sind parat. Die überlebensgrossen Plastikfiguren empfangen im Foyer die Besucher des neuen Multiplexkinos Cinedome in Muri. Betreiberin Kitag hat kurz vor der Eröffnung zum Pressetermin geladen, und CEO Philippe Täschler führt die kleine Schar durch das, was er «Entertainment-Wahnsinn» nennt.

Von Wahnsinn ist im Moment aber noch keine Spur, überall sind Menschen konzentriert mit Schraubenziehern und Bohrern zugange. Um sich den Shop- und Kassenbereich vorzustellen, braucht es noch ein wenig Fantasie, auch wenn die Self-Service-Kühlschränke und die «Candywall» bereits bestückt sind. «Das wird fertig bis morgen», verspricht Täschler, im Gegensatz zu anderen Neueröffnungen sei man schon weit.

Wände und Böden im Eingangsbereich sind aus Holz, und die Gastro-Kette «Hans im Glück» nebenan hat einen regelrechten Birkenwald aufgestellt – als wolle man dem kinotechnischen Powerplay, das Kitag in Muri auffährt, eine Note Natur entgegenhalten. Denn in Sachen Überwältigungsmechanik ist das Cinedome mit seinen zehn Sälen und insgesamt 1400 Plätzen auf dem aktuellsten Stand. Täschler spricht in Superlativen, «die grösste Leinwand Berns», «das neuste Soundsystem». Es folgt eine Hörprobe in Saal 2, der ausgerüstet ist mit Dolby Atmos, «47 Endstufen», sagt Täschler, «75 000 Watt, 53 Lautsprecher, davon 18 Subwoofer».

«Filmcontent» in der «Gamezone»

Dies äussert sich dahingehend, dass die Töne von überall im Raum herkommen, auch von oben. In den Trailern tauchen immer wieder Raumschiffe oder Helikopter auf, die einen von hinten zu überfliegen scheinen, der Donner grollt dermassen, dass die Bässe den Kinosessel vibrieren lassen, und Insekten surren herum, bis es im Rückgrat kräuselt. Kitag hat in Biel seit 2015 einen kleineren Saal mit diesem Rundumklang, schon 2014 hat das Thuner Rex einen gebaut, als damals erstes Kino in der Schweiz. In Thun zieht man den Dolby-Atmos-Trumpf vor allem für ein kulturaffines Publikum, etwa mit der Reihe Karajan Classics und weiteren Konzertfilmen.

In Muri peilt man ein anderes Segment an, das wird klar, als Philippe Täschler der Presse den Kidscorner, die Sportsbar, die Bowlingbahn und die Gamezone zeigt. Neben kommunen Billardtischen stehen da Boxen mit Virtual-Reality-Equipment, in denen sich die Abenteuer aus dem Kinosaal in die Gamewelt verlängern lassen – so gibt es auch Spiele mit «Filmcontent», wie Täschler sagt, etwa zu «Ready Player One», Steven Spielbergs Action-Schnitzeljagd, mit der das Cinedome morgen eröffnet wird. Nun geht es zurück in den ersten Stock, wo die zehn Kinosäle (die sich nur in der Anzahl Sitze unterscheiden) aufgereiht sind – und zum Höhepunkt des Rundgangs: dem Imax-Saal. Die kanadische Firma bietet seit den 1970er-Jahren Kinoprojektionen mit maximalen Bildgrössen, die das Gesichtsfeld praktisch ausfüllen und so die Zuschauer noch mehr ins Geschehen auf der leicht gekrümmten Leinwand eintauchen lassen.

Also tauchen wir in der kurzen Präsentation ein in das, was die Natur an Spektakel zu liefern imstande ist, speiende Vulkane, kantige Berggipfel, Unterseewelten, wahlweise auch in 3-D. Zudem starten wir mit der Raumfähre Discovery ins All oder ziehen mit den Comic-Helden Avengers in den Kampf gegen greuliche Widersacher. Das fährt ziemlich ein, Kino intravenös verabreicht, sozusagen. Bestechend auch hier der Ton, es braucht nicht immer Donnergrollen zu sein, Musik reicht schon, dass man den Eindruck hat, die Klänge flössen direkt ins Nervenzentrum.

Alle «grossen» Filme seien für Imax kompatibel, so Philippe Täschler, bis nächsten Februar jedenfalls sei das Programm gemacht. Dazu gehören «Avengers», «Deadpool 2» oder auch eine nächste Tranche aus Steven Spielbergs «Jurassic World». Sowieso scheint diese Art von Immersionskino die perfekte Spielwiese für die Spielbergs dieser Welt zu sein; und überhaupt, das Cinedome mit all seinen Angeboten ein grosser Indoor-Spielplatz für Erwachsene.

Dazu passt, dass man sich nach dem Imax-Angriff auf die Sinne ein bisschen fühlt wie nach einer Achterbahnfahrt. Nichts gegen Achterbahnen. Es gibt Menschen, die können davon nicht genug bekommen. Anderen dagegen reicht ein Mal.

Offen ab Donnerstag, 05. April. www.kitag.com

Der Bund

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