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Fleischbällchen mit dem SRF

Mit Anita Hugi leitet erstmals eine Frau vom Fernsehen die Solothurner Filmtage. Breitet sich die SRG dort noch mehr aus?

Initiativ und offen: Anita Hugi aus Grenchen ist die neue Leiterin der Solothurner Filmtage. Foto: Urs Jaudas
Initiativ und offen: Anita Hugi aus Grenchen ist die neue Leiterin der Solothurner Filmtage. Foto: Urs Jaudas

Heute stellte die 44-jährige Anita Hugi ihr erstes Programm als neue Direktorin der Solothurner Filmtage vor. Hugi who? Als Redaktorin war die Grenchnerin 15 Jahre lang verantwortlich für die Sendung «Sternstunde Kunst» beim Schweizer Fernsehen. Über 130 Schweizer Produktionen – vorwiegend Dokumentarfilme zu Kulturthemen – hat sie dort programmiert oder mitproduziert.

Die Schweizer Filmschaffenden kenne sie sehr gut, sagt die gelernte Übersetzerin, die im zweisprachigen Biel aufgewachsen ist. Auch mit den Fernsehleuten ist sie vernetzt. Für ihre erste Ausgabe lanciert sie einen «Hot Spot», bei dem Interessierte mit Dokumentarfilm-Entscheidern der SRG-Sender netzwerken können. Neu gibt es auch eine Party der Filmschulen auf dem Attisholz-Areal abseits der Landhaus-Gemütlichkeit.

Ohne Schweizer Fernsehen sind die Solothurner Filmtage schwer vorstellbar, aber die Präsenz ist teils erdrückend. Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) ist Hauptmedienpartnerin des Anlasses mit jährlich rund 65’000 Eintritten. Im «Fokus»-Programm zum Serienboom kann die SRG alle aktuellen Angebote vorzeigen, prominent zwei Folgen der neuen Staffel von «Wilder», die zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf SRF gelaufen sind.

80 Prozent Filme mit SRF-Beteiligung

Anita Hugi hat auch schon eine Verbindung zu Solothurn: Seit 2013 wird an den Filmtagen der von ihr lancierte Preis «Perspektive Sternstunde Kunst» verliehen, der Ideen für Kulturdokfilme mit 10’000 Franken unterstützt.

Darüber hinaus sind für ihre erste Ausgabe SRF-Direktorin Nathalie Wappler und SRG-Generaldirektor Gilles Marchand für Podien eingeplant, wo sie über die Fernsehserie als «dominanter Vermittler gesellschaftspolitischer Ereignisse» reden dürfen. Zudem lädt die SRG in Solothurn zusammen mit dem Bundesamt für Kultur zur traditionellen Brancheninformation, wo im Anschluss Fleischbällchen und dergleichen serviert werden.

Fernsehvertreter werden dort das neue Förderprogramm 2020–2023 vorstellen. Die SRG hat nicht nur die Serienoffensive ausgerufen, sie investiert jährlich auch rund 9 Millionen Franken in Kinofilme. Titel, die das Fernsehen nicht auf die eine oder andere Art mitfinanziert hat, gibt es an den Filmtagen kaum, insgesamt 20 Prozent waren es an der letzten Ausgabe in den Wettbewerben Prix de Soleure und Prix du Public. An Anita Hugis erster Ausgabe sind es nicht mehr.

Vorsicht bei Netflix

Wird Solothurn immer mehr zur SRG-Abspielstation? Die neue Direktorin entgegnet, dass sie das Fernsehen nie als eine Form, sondern als eine Plattform verstanden habe. «Ein allen zugängliches, öffentliches Medium.» Bei der «Sternstunde Kunst» seien viele der unabhängigen Dokumentarfilme, die sie koproduziert habe, dank dem Interesse der Sendung ins Rollen gekommen.

Hugis Vorgängerin Seraina Rohrer und deren Vorgänger Ivo Kummer hatten beide Beziehungen zum Fernsehen. Mit Anita Hugi leitet nun aber erstmals eine Fernsehredaktorin die Filmtage. Interessant ist das vor allem im Hinblick auf die technologischen Umwälzungen. 2020 startet die SRG ihre eigene digitale Plattform, auf der Beiträge auf einer personalisierten Oberfläche gestreamt werden können.

In diesem Zusammenhang ist es in Solothurn schon vorgekommen, dass Vertreter des Schweizer Fernsehens einheimische Filmproduzenten zur Vorsicht gemahnt haben, was mögliche Projekte mit Streamingdiensten wie Netflix angeht. Die Aussage: Gegen die grossen Anbieter müsse man zusammenstehen.

Ein «Patriot Act»?

Unter Kreativen, die gern für Netflix produzieren würden, ist das schlecht angekommen. Es sei da ein «Patriot Act» ausgerufen worden, der die Interessen der SRG mit jenen der Produzenten gleichstelle. Ein Regisseur spricht vom «Storytelling-Monopol» der SRG, das keine starke Konkurrenz dulde.

Laut Anita Hugi soll jeder für sich selbst entscheiden, mit wem er zusammenarbeiten will. Eine Frage sei auch, auf welche Art die Werke später zugänglich seien. «Wem ‹gehören› sie, wie ist das Nutzungsrecht geregelt?» Um über solche Fragen nachzudenken, habe sie das Fokus-Spezialprogramm dem Boom der Serien gewidmet.

In der Szene wird Anita Hugi als coole und umtriebige Macherin beschrieben, die mit ihrer «positiven Energie» die Leute einnehmen könne. Initiativ und offen wirkt sie auch im Gespräch. Eine starke Affinität hat Hugi zu neuen Technologien. In den 90er-Jahren erstellte sie als Praktikantin bei Arte das Pressedossier für die noch blutjunge Website. Hugi hat auch «Dada Data» mitgestemmt, ein interaktives Webprojekt anlässlich des Dada-Jubiläums, das 2016 mit einem «Grimme Online Award» ausgezeichnet wurde.

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