Fan Bingbing ist wieder da

Vor drei Monaten verschwand die chinesische Schauspielerin plötzlich. Jetzt meldet sie sich zurück – mit einem Geständnis.

Fan Bingbing 2017 bei den Filmfestspielen von Cannes.

Fan Bingbing 2017 bei den Filmfestspielen von Cannes. Bild: Keystone

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Die Ungewissheit dauerte Monate. Seit Anfang Juli war die chinesische Schauspielerin Fan Bingbing verschwunden. Nicht für einen Erholungsurlaub abgetaucht, sondern einfach weg. Am Mittwoch meldet sich der Superstar mit einem Statement auf dem Kurznachrichtendienst Sina Weibo zurück. Sie bestätigte die verbreiteten Gerüchte: Die chinesischen Behörden haben seit Juni gegen sie wegen Steuerhinterziehung ermittelt. An ihre 63 Millionen Fans auf der Plattform schrieb sie: «Es tut mir unendlich leid.»

1996 begann die 37-Jährige ihre Karriere mit einer Rolle in dem Film «Mächtige Frauen» und wurde dann selbst eine. Sie spielte in den vergangenen Jahren in mehr als 50 Film- und Fernsehproduktionen mit. Darunter zuletzt in Hollywood-Filmen wie X-Man und Iron-Man. Fan ist die bestbezahlte Schauspielerin des Landes. Rund 38 Millionen Euro soll sie 2017 verdient haben. Nur Actionschauspieler Jackie Chan brachte mehr aufs Konto.

Im Internet lässt die Schauspielerin ihre Fans an ihrem Glamourleben teilhaben. Sie postete Bilder von ihren Drehs, ihrem Auftritt auf dem roten Teppich in Cannes und ihrer Beziehung mit Schauspielkollege Li Chen. Ihre Fans wissen, dass sie in der ostchinesischen Stadt Qingdao geboren ist, Sternzeichen Jungfrau. Laut Online-Profil ist sie 169 Zentimeter gross, wiegt 56 Kilo und hat die Blutgruppe B. Sie liebt Gesichtsmasken und braucht mindestens zwei am Tag: eine morgens (für genug Feuchtigkeit), eine abends (für den richtigen Teint). Ausserdem sei sie eine gute Freundin, sagt sie, klug und ehrlich.

In China verschwinden Schauspieler?

Umso besorgter waren ihre Fans Anfang Juli, als ihre Nachrichten plötzlich ausblieben. Nach einem Auftritt in einem Krankenhaus in Shanghai verschwand die 37-Jährige. «Wo ist Fan Bingbing?» wurde zu einem häufig gesuchten Begriff im Internet. Die Online-Enzyklopädie Wikipedia gliedert ihren Eintrag in die Kapitel Karriere, Leben, Verschwinden. Mitte September, an ihrem 37. Geburtstag, gab es scheinbar ein Lebenszeichen: «Heute habe ich Geburtstag.» Kurz darauf verschwand der Text wieder. Wahrscheinlich war die Meldung auf der Plattform voreingestellt und dann von den Behörden zensiert worden. In China verschwinden immer wieder in Ungnade gefallene Oppositionelle, Unternehmer und Kader. Aber eine Schauspielerin, die gerade noch als Superheldin in einem amerikanischen Blockbuster die Welt gerettet hat?

Nachdem die Regierung zunächst alle Berichte über ihren Fall zensierte, räumten die Behörden die Ermittlungen schliesslich ein. Ausgelöst hatte diese ein Fernsehmoderator, der in einer Sendung beiläufig über so genannte Yin-Yang-Verträge in der Filmbranche geplaudert hatte. Dabei werden zwei Verträge geschlossen. Der niedriger dotierte wird bei der Steuer eingereicht. Die nun verhängten Bussgelder und Steuernachzahlungen für die Schauspielerin und die beteiligten Firmen summieren sich nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua auf umgerechnet 111 Millionen Euro. Bezahlt Fan ihre Strafe innerhalb einer vorgeschriebenen Frist, soll ihr keine weitere Strafverfolgung drohen.

Unklar ist weiterhin, wo sich Fan in den vergangenen Wochen aufgehalten hat. Laut Medienberichten soll sie den Behörden bei der Aufklärung geholfen haben, festgehalten in einem Urlaubsresort in Ostchina. In dem Brief an ihre Fans versprach die Schauspielerin, die Entscheidung der Behörden zu akzeptieren und die Schulden so schnell wie möglich zu begleichen. Sie schäme sich so sehr und: «Ohne die gute Politik der Kommunistischen Partei gibt es keine Fan Bingbing.»

Sie ist ein international gefeierter Superstar - aber nun auch eine Erinnerung daran, dass einen Reichtum und Macht nicht über die Partei stellt. Auf ihre Nachricht am Mittwoch reagierten Tausende Fans. Die meisten ähnelten einem der ersten Kommentare: «Fan Bingbing, wir lieben dich noch immer.» (Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 03.10.2018, 16:43 Uhr

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