Entweder ganz oder gar nicht

Die Stadt Bern hat es versäumt im Fall der Kinemathek Lichtspiel eine Langzeitlösung zu finden.

Was tun, wenn ein privates Sammelprojekt zu einem Kulturschatz wird?

Was tun, wenn ein privates Sammelprojekt zu einem Kulturschatz wird?

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Regula Fuchs

Was behalten? Was nicht? Diese Frage stellt sich nicht nur angesichts eines vollen Estrichs, sondern auch für jedes Archiv oder Museum. Auch für das Lichtspiel in Bern. Anfangs das Sammelsurium eines Kinofreaks, hat sich die Kinemathek Lichtspiel zum filmischen Gedächtnis von Bern und darüber hinaus entwickelt, man hat sich im Lauf der Jahre professionalisiert – und irgendwann erkannt, dass eine Lücke klafft zwischen den eigenen Ansprüchen und den Mitteln, die dafür zur Verfügung stehen.

Das Lichtspiel ist zwar als Institution einzigartig, für die Kulturförderung aber kein Einzelfall. Staatliche Geldgeber müssen sich öfter damit auseinandersetzen, dass aus einem privaten Liebhaberprojekt eine kulturelle Institution wird. Und spätestens, wenn die Gründergeneration abtritt, die sich keine angemessenen Löhne gezahlt hat, hängt die weitere Existenz oft von der Kulturförderung ab. Was behalten? Was nicht? Das müssen sich dann auch die Subventionsgeber fragen, und zwar am besten früh genug.

Im Fall des Lichtspiels hat die Stadt Bern als wichtigste Geldgeberin zu lange gewartet. Schon 2012 zeichnete sich mit den markant gestiegenen Mietkosten eine Finanzierungslücke ab. Seither gelang es trotz des guten Rufs, den das Lichtspiel hat, nicht, das Haus längerfristig zu finanzieren. Und das Lichtspiel hat derweil mit dem Enthusiasmus aus der Anfangszeit weitergearbeitet, weiter gesammelt – und ist so das Risiko eingegangen, dass es immer noch als das Steckenpferd von Filmfans wahrgenommen wird.

Behalten oder nicht? Die Stadt hätte für die kommende Subventionsperiode eine beherztere Entscheidung treffen können. Zwar soll das Lichtspiel mehr Geld bekommen, aber gedeckt sind damit in erster Linie die Mietkosten (die zurück in die Stadtkasse fliessen). Dem Archiv an der Aare dürfte das Wasser also weiterhin bis zum Hals stehen. Es ist zu hoffen, dass die Stadt die Kinemathek künftig zumindest mit Nachdruck – und mit allen vorhandenen Beziehungen zu anderen Förderern – dabei unterstützt, weitere Geldgeber zu finden.

Der Bund

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