Eine schauspielerische Gratwanderung

Renée Zellweger, die Amerikanerin mit Schweizer Wurzeln, brilliert als Judy Garland.

In «Judy», dem Film über Judy Garland, singt Renée Zellweger selber. Und das ziemlich gut. <nobr>Foto: Rich Fury (Getty Images)</nobr>

In «Judy», dem Film über Judy Garland, singt Renée Zellweger selber. Und das ziemlich gut. Foto: Rich Fury (Getty Images)

Die Besetzung «makes bittersweet sense», ist sinnvoll auf eine bitter­süsse Weise, schrieb das US-Branchenblatt «Variety» über Renée ­Zellweger. Sie spielt die Judy Garland, die Show- und Hollywoodikone der Vierziger und Fünfziger, in dem Film «Judy» von Rupert Goold, der gerade angelaufen ist. Eine Ikone «spielt» man nicht, man kann sich ihr nur annähern, durch Empathie, nicht als Imitation, man muss immer auch die Distanz zum Original spürbar machen.

«Judy» erzählt vom Ende von Garlands Karriere und Leben, als sie auf dem Tiefpunkt ihrer Existenz ist, aus den heruntergekommenen Hotels ausgeschlossen wird, wo sie wohnt, und die Kinder in die Obhut ihres Gatten geben muss – und sie eine allerletzte Chance bekommt, ein mehrwöchiges Engagement im Londoner Nightclub «Talk of the Town».

Zellweger singt selbst, durchaus professionell, mit Hingabe und unbekümmert, obwohl sie natürlich nicht die vibrierende Kraft von Garlands Stimme hat. Genau das mache die Spannung dieser Filmbiografie aus, wie die Darstellerin und ihre Figur sich auf halbem Wege träfen, schrieb «Variety». Hollywood liebt solche Gratwanderungen – Zellweger ist für einen der Golden Globes nominiert, die am Sonntag vergeben werden.

Sie nahm sich eine sechsjährige Auszeit

Garland ist einer der Stars, an denen die Brutalität des Hollywoodsystems besonders deutlich wird. Mit siebzehn hatte sie einen denkwürdigen Erfolg als Dorothy in dem Film «Wizard of Oz», und «Judy» zeigt in Rückblenden, wie der Teenager von den Studioleuten Hollywoods strikt reglementiert wird, um den Vorstellungen vom Kindstar zu entsprechen. Hier beginnt die Spirale von Zerstörung und ­Selbstzerstörung, die schliesslich zu Garlands Tod 1969, an einer Überdosis Pillen, führte.

Auch Zellwegers Karriere weist heftige Schwankungen auf, das Naive trifft aufs Ambitionierte, Natürlichkeit auf Manierismen. Ihr grösster Erfolg – und die Rolle, von der sie nicht mehr loskommen sollte – war 2001 «Bridget Jones», in der Verfilmung des Best­sellers von Helen Fielding (plus zwei Fortsetzungen): Bridget, eine Londonerin in der Midlife-Krise, über­gewichtig, Raucherin, auf der Suche nach einem Mann fürs Leben – ­besonders prominent auf ihrer ­Suchliste: Hugh Grant und Colin Firth.

Zellweger, geboren am 25. April 1969, wuchs in Texas auf, der Vater war Schweizer, die Mutter Norwegerin. Einen ersten Erfolg hatte Zellweger 1996 in «Jerry Maguire», als Freundin von Tom Cruise. 2003 spielte sie dann in «Cold Mountain» von Anthony Minghella, für den sie einen Oscar und einen Golden Globe erhielt.

2010 begann sie, erstaunlich für einen Star, eine sechsjährige Auszeit vom Kino. Erstaunlich fand man auch, dass Zellweger sich 2014 mit einem völlig neuen Gesicht präsentierte, spitz­züngig wurden kosmetische Eingriffe vermutet.

«Cold Mountain» wurde von Harvey Weinstein produziert, daher geriet Renée Zellweger auch in die #MeToo-Spirale – Weinstein sagte, sie hätte sich für Rollenzusagen sexuell ­erkenntlich gezeigt. Eine Aussage, die von Zellweger drastisch ­zurückgewiesen wird.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt