Ein neues Format ist gefragt
Das Berner Filmpreisfestival findet dieses Jahr nicht statt. Die Bestürzung darüber hält sich indes in Grenzen.

Das prominenteste Schaufenster für den Berner Film bleibt 2017 geschlossen: Das Berner Filmpreisfestival zeigte seit 2012 jene lokalen Produktionen, die in die engere Auswahl bei der jährlichen Preisvergabe gekommen waren. Doch das Publikum blieb immer mehr aus. 2016 besuchten gerade einmal 1200 Zuschauerinnen und Zuschauer die 71 Vorstellungen im ganzen Kanton, im Vorjahr waren es immerhin noch 1800 gewesen.
Dieser Negativtrend hat den Kanton, der mit 73'000 Franken die Hauptkosten des Festivals trug, dazu bewogen, «eine Denkpause einzulegen», wie es Sibylle Birrer formuliert, Vorsteherin der Abteilung Kulturförderung. «Das Ziel, den Berner Film zum Publikum zu bringen, verfolgen wir nach wie vor», so Birrer. «Allerdings stimmt das Format nicht mehr.» Das hätten auch die beteiligten Kinos so gesehen, mit denen man gleich nach der letzten Ausgabe das Gespräch gesucht habe.
Die Filme liefen schon früher
Der Grund, dass das Publikum ausbleibt, liegt gemäss Birrer in erster Linie darin, dass die Berner Filme jeweils schon bei ihrem Erscheinen gut ausgewertet werden. Wenn sie dann im Herbst am Filmpreisfestival laufen, hatten die meisten ihre Premiere also längst hinter sich, waren im Fernsehen ausgestrahlt worden oder auf anderen Kanälen zu sehen gewesen.
Trotzdem: Auf eine Plattform für den Berner Film, vor allem auch auf dem Land, möchte das Amt für Kultur nicht verzichten. Daher denkt man derzeit intensiv über mögliche Formen nach. «Wir sind aber nicht der Veranstalter», betont Sibylle Birrer. «Es liegt nicht nur an uns, sondern auch an den Kinos oder anderen Initianten, neue Ideen zu entwickeln.»
Das Berner Filmpreisfestival war 2012 ins Leben gerufen worden und hatte in den ersten drei Jahren seine Heimat in den unabhängigen Kinos der Stadt Bern; parallel dazu gab es jeweils im Frühjahr die «Tour de Berne», eine Art Tourneefestival, das die prämierten Filme aufs Land brachte. Vor zwei Jahren legte man die «Tour de Berne» und das Filmpreisfestival zu einer einzigen kantonsweiten Veranstaltung zusammen. Sie ermöglichte dem Publikum auch die Begegnung und das Gespräch mit den Filmemachern, die häufig bei den Vorstellungen anwesend waren.
Die Landkinos unterstützen
Wie gross ist der Schaden nun für die Urheber der Filme? Er halte sich in Grenzen, sagt Anna Rossing, Geschäftsführerin des Vereins Bern für den Film – auch weil es nie schön sei, einen Film nur vor einer Handvoll Leute zu zeigen. «Es wäre sinnvoller, das lokale Filmschaffen dann zu unterstützen, wenn die Filme ins Kino kommen.» Das Festival sei für viele Filmemacher terminlich problematisch gewesen – entweder waren die Filme schon ausgewertet, oder man hätte die Premiere lieber an einem grösseren Festival angesetzt.
Auch der Verein Bern für den Film denkt derzeit über neue Möglichkeiten nach, die Sichtbarkeit des hiesigen Schaffens zu fördern. Eine Massnahme wäre, die Auswertung auf dem Land zu unterstützen: «Wir haben das Gefühl, dass kleinere Kinos, und vor allem Landkinos, oft darauf angewiesen sind, jene Filme zu programmieren, die eine gewisse Zuschauerzahl versprechen. Daher haben es manche Berner Filme dort schwerer. Ein Anreizsystem könnte sinnvoll sein», so Rossing.
In diese Richtung gehen derzeit auch die Überlegungen beim Kanton, vor allem für die Zeit, bis ein neues Format für die Präsentation des prämierten Berner Filmschaffens gefunden ist. «Wenn es einzelne Kinos gibt, die sich in diesem Jahr für den Berner Film mit einem besonderen Projekt engagieren möchten, können sie sich bei uns um Unterstützung bewerben», sagt Sibylle Birrer. Schliesslich gehe es nicht um eine Sparmassnahme.
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