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Dreht mehr 3-D!

Dieses Wochenende an den Oscars feiert Hollywood sich selbst – durchaus verdient: 2010 war ein Rekordjahr. Trotzdem muss sich in der Traumfabrik schnell etwas ändern.

3-D verbindet: Wim Wenders und Angela Merkel an der Berlinale.
3-D verbindet: Wim Wenders und Angela Merkel an der Berlinale.

Illegale Downloads, Wirtschaftskrise und schwindende Zuschauerzahlen bei der Oscar-Verleihung: Aus Hollywood erreichten uns in den vergangenen Jahren keine guten Nachrichten. Auch die weltweiten Zuschauerzahlen von Produktionen aus der Traumfabrik sanken Jahr für Jahr. Umso erstaunlicher sind die Zahlen für das vergangene Jahr. 32 Milliarden Dollar Umsatz erzielte man weltweit – neuer Rekord. Gegenüber 2009 sind das knapp zehn Prozent mehr.

Was ist passiert? An der Anzahl Filme kann es nicht liegen – die sind im Vergleich zum Vorjahr sogar gesunken. Ein genauerer Blick auf die Statistik zeigt denn auch, dass man nicht in Amerika selbst zugelegt hat, sondern in Asien. Neun Milliarden Dollar wurden dort generiert, davon 40 Prozent in China.

Goldene Gans 3-D

Ein weiterer Erfolgsfaktor heisst 3-D. Machten die dreidimensionalen Filme 2009 noch zwei Prozent im amerikanischen Markt aus, waren es 2010 bereits 21 Prozent. Freilich fiel «Avatar», der erfolgreichste Film aller Zeiten, in diese Kategorie. James Camerons Film setzte weltweit insgesamt 2,8 Milliarden Franken ab. Drei der Top-Fünf-Filme von 2010 («Alice in Wonderland», «Shrek Forever» und «Toy Story 3») waren ebenfalls in 3-D gedreht. Der Geldsegen beruht ausserdem darauf, dass 3-D-Vorstellungen teurer sind als herkömmliche Vorstellungen.

Rosige Aussichten für Hollywood also? Nicht unbedingt. Ob die Zuschauer das neue Format im vergangenen Jahr begrüssten, weil es so toll ist – oder bloss aus Neugier in die Filme strömten – ist noch nicht klar. Tatsächlich ist das 3-D-Publikum der letzten grossen 3-D-Produktionen rückläufig. Waren es bei «Avatar» noch 71 Prozent der Zuschauer, wollten «Toy Story» nur noch 60 Prozent in 3-D sehen. Bei «Despicable Me» waren es noch gerade 45 Prozent. Die grosse Euphorie scheint verschwunden.

Innovationen sind gefragt

Die Gründe dafür liegen zum einen in der Darstellung der dreidimensionalen Inhalte. Diese seien zu dunkel, so Kritiker, würden flimmern und Kopfschmerzen verursachen. Zudem sei die Abhängigkeit von speziellen 3-D-Brillen langfristig nicht Erfolg versprechend. Andere bemängeln das Angebot an 3-D-Filmen. Nach dem sagenhaften «Avatar» versuchten halbgare 3-D-Produktionen wie «Clash of Titans», die per Postproduktion in die dritte Dimension gehoben wurden, beim Publikum zu punkten. Mit dem Resultat, dass die Zuschauer den Glauben an die neue Technik verlieren.

Will Hollywood die goldene Gans, die 3-D (noch) ist, am Leben erhalten, sind dringend Innovationen gefragt. Nicht nur im technischen Bereich, auch im künstlerischen. In diesem Zusammenhang macht die Meldung, dass der Literaturklassiker «The Great Gatsby» in 3-D verfilmt werden soll, hellhörig. Auch Wim Wenders hat kürzlich in drei Dimensionen gefilmt – und erst noch eine Doku. Wenders gibt sich zuversichtlich: «Ich glaube, dass 3-D in gar nicht mehr so weiter Ferne die neue Norm sein wird», sagte er an der Berlinale. «Man kann den Zuschauer ganz anders mitnehmen in das Leben von anderen Menschen – nicht nur auf fremden Planeten, sondern eben auch auf unserem.» Sein Wort in Gottes Ohr – respektive Linse.

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