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Do het mes gibi gäbi guet

Der Dokumentarfilm «Die Kinder vom Napf» zeigt ein Idyll, das wie aus der Zeit gefallen scheint.

Wie die Seelen böser Landvögte im Änziloch den Donner entstehen lassen - das eerfährt man im Film «Die Kinder vom Napf».

Drei Lichtlein wackeln durch die Finsternis, Knirschen und Keuchen deuten darauf hin, dass hier wohl jemand durch den Schnee stapft. Es sind Bergbauernkinder aus dem Einzugsgebiet der Schulgemeinde Romoos, die frühmorgens mit Stirn- und Taschenlampen bis zu 10 Kilometer Schulweg absolvieren, einen Teil immerhin mit Seilbähnchen und Schulbus.

In der Gondel erzählt eins der Kinder, wie einmal der Herger Pauli zu früh aus dem Bähnli stieg und in einer Baumkrone landete. Es ist eine von vielen Anekdoten und Lebensweisheiten, die die Kinder vom Napf der Filmerin zu berichten wissen.

Wie man sich vor dem Blitz schützt, wie die Seelen böser Landvögte im Änziloch den Donner entstehen lassen, wie die Saugnäpfe der Melkmaschine bei Stromunterbruch reihenweise von den Zitzen abfallen oder der Wolf statt sich an einem Schaf satt zu fressen immer gleich mehrere anknabbert - das und noch viel mehr wissen diese Kinder.

Kein Game-Boy, kein Gschlegel

Da geht dem Städter das Herz auf: Statt Demo ein Triichler-Umzug, statt Rave ein lüpfiges Tänzchen im Trachtenverein, statt Prügelei ein Hoselupf nach allen Regeln der Kunst. In der ganzen Schule gibt es nur ein Kind mit Migrationshintergrund und das Einzige im Film, was entfernt an Unterhaltungselektronik erinnert, ist ein Radio aus den 1950er Jahren.

Überhaupt die Freizeitgestaltung! Da wird mit dem Spielzeugtraktor der Wegrand gemäht, werden Bierdeckel und anderer Müll von Naherholungs-Touristen aufgesammelt, weil man sonst «wieder eine Kuh metzgen muss», wenn der Plunder ins Heu gerät. Ein Bub demonstriert, wie man heutzutage Schermäuse fängt, ein anderer, wie man Kohle herstellt.

Ein bisschen nachgeholfen

Natürlich wirkt das nicht immer ganz natürlich. Gesungen wird beispielsweise nicht irgendetwas, sondern gezielt «We me bi de Buure isch, do het mes gibi gäbi guet». Und im Unterricht werden die Abwanderung besprochen und Gegenmassnahmen gesucht.

«Man sollte Romoos etwas berühmter machen, wie Hollywood» schlägt ein Mädchen nicht ganz unpassend vor - schliesslich hatte der bekannte Regisseur Bernhard Wicki (»Die Brücke») das Romooser Bürgerrecht.

So berühmt wie Hollywood wird Alice Schmids Film Romoos nicht machen. Allerdings wäre es nicht verwunderlich, wenn ein paar Schaulustige mehr - angeregt durch den Film - ins Napfgebiet reisen (bitte keine Bierdeckel wegwerfen).

Die Infrastruktur für etwas Tourismus ist vorhanden, wie es in einem Englisch-Aufsatz heisst: «Romoos is super. There are one bakery, four restaurants, one postoffice, one school».

Deutschschweizer Kinostart 1. Dezember

SDA/phz

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