«Die Pinguine haben uns ausgelacht»

Der Schweizer Yanick Gentil drehte die spektakulären Unterwasserbilder zu «Reise der Pinguine 2».

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Die jungen Kaiserpinguine stehen einfach da. Tagelang warten sie auf der Eisklippe vor dem offenen Meer, das sie nie zuvor gesehen haben. Ihr Gefieder ist teilweise noch aus Kinderflaum, aber die Eltern sind weg. Plötzlich springt eines der Jungtiere rein, dann das nächste, übernächste. Im Meer aber wartet Yanick Gentil aus La Chaux-de-Fonds mit der Kamera.

«Man kann nie vorhersagen, wann sie springen», sagt der Kameramann, der mit seinem Bruder Cédric und zwei weiteren Spezialisten für das Spektakulärste verantwortlich ist, was der neue Film von Luc Jacquet zu bieten hat. Der französische Tierfilmer hatte 2005 seinen Hit «Reise der Pinguine» veröffentlicht. Jetzt ist die Fortsetzung da, immer noch spektakulär, aber mit vielem, was bereits zu sehen war. Wirklich neu sind jedoch die Unterwasseraufnahmen.

Trailer zu «Reise der Pinguine 2» (ab 2. November im Kino).

Unter Wasser wirken die Vögel, die auf dem Eis tollpatschig herumwackeln, nämlich wie verwandelt: Pfeilschnell bewegen sie sich beim Fressen und schauen sich zwischendurch an, was die Taucher mit ihrer schweren Ausrüstung wollen. Yanick Gentil erzählt: «Sie sind auch auf dem Eis neugierig, aber kommen nicht wirklich voran. Unter Wasser ist es umgekehrt. Da können wir Taucher uns kaum bewegen. Die Pinguine spielen mit uns, manchmal schien es mir, als würden sie uns auslachen.»

Diese Aufnahmen wären beim ersten Film vor zwölf Jahren noch nicht möglich gewesen. Eine Firma bei Vevey hat für die zweite Expedition Hightech-Taucheranzüge entwickelt, in die beheizbare Carbonplatten integriert sind. Die Wassertemperatur am Südpol beträgt nämlich minus 1,8 Grad (Meerwasser gefriert dort wegen des Salzes erst bei minus 1,9). Erlaubt waren Tauchgänge bis in Tiefen von 70 Metern, sie dauerten manchmal Stunden. Die Taucher mussten sich zuerst an die schwere Ausrüstung und die andern Gefahren – wie findet man das Einstiegsloch im Eis wieder? – gewöhnen.

23 Stunden bestes Sonnenlicht zum Filmen

Aber sie wurden reich belohnt. «Ich hätte am Südpol niemals so viele Farben erwartet, auch nicht diese Diversität bei Pflanzen und Tieren», sagt Gentil: «Wir haben fast mehr entdeckt als in der Karibik oder im Roten Meer.» Yanick weiss, wovon er spricht. Zusammen mit seinem Bruder sah er als Kind die TV-Serien von Jacques Cousteau und beschloss, Taucher zu werden. Aber das war kein Beruf, den man in La Chaux-de-Fonds lernen konnte, so begann Yanick eine Lehre als Steinmetz, Cédric eine als Bäcker. Beide brachen die Ausbildung ab, zogen mit 17 gemeinsam um die Welt, arbeiteten auf Schiffen und an entlegenen Orten. Irgendwann einmal begannen sie, kleine Filme für das Westschweizer Fernsehen zu drehen. Und wurden zu Spezialisten für Aufnahmen an Orten, wo sonst niemand dreht.

In der Antarktis haben sie aber noch nie gearbeitet. Die Ausrüstung ist dort schwerer als sonst, sie muss über unwegsame Eisfelder geschleppt werden. Aber es gibt auch Vorteile: «Wir hatten 23 Stunden bestes Sonnenlicht», sagt der Kameramann lachend: «Zeit war also genug vorhanden.»

Der Aufwand hat sich gelohnt, die Unterwasseraufnahmen sind atemraubend. Bei einer allerdings versteht man nicht ganz, wie sie entstanden ist: Die Meeresoberfläche scheint darin am Boden zu liegen, die Pinguine schwimmen auf dem Rücken – aber darüber tauchen andere herum. Auch dieses Rätsel löst der Kameramann: «Diese Sequenz wurde verkehrt in den Film montiert. Keine Ahnung, wieso dies geschehen ist...» Egal. Es sieht verdammt gut aus. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.10.2017, 11:39 Uhr

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