Die Geisterwelt ist widerborstig

Der Film «Fenster zum Jenseits» zeigt Medien und Spukforscher bei der Arbeit.

Wohnt hier der Geist Guillaume?

Wohnt hier der Geist Guillaume? Bild: zvg

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Es beginnt mit einer Hitze in den Füssen, die langsam den Körper hinauf in die Backen der Protagonisten steigt. So, sagt das Medium Andreas Meile, mache sich die Existenz des Geists Guillaume bemerkbar, der im Hotel Val Sinestra im Engadin umgeht. Der Thurgauer Filmemacher O’Neil Bürgi hat eine fachkundige Belegschaft im einstigen Kurhotel versammelt, um grusligen Vorkommnissen auf den Grund zu gehen. Das Gebäude, auch äusserlich dem Overlook Hotel aus Stephen Kings «The Shining» nicht unähnlich, ist eine von vielen Stationen, in denen Bürgi Erzählungen über Geisterhaftes nachgeht. Die Schweiz sei eine «Fundgrube» für Schauergeschichten, so der Regisseur. Auch die Stadt Bern kommt zum Zug: In einem nicht näher verorteten Haus spuke ein Dichter mit Nelke im Knopfloch, so eine frühere Bewohnerin.

Milieustudie statt Gruselfilm

Selbst wenn die Auskunftspersonen ihre Erlebnisse farbig schildern, der schöne Schauder bleibt aus. Die Geschichten stehen stets in Kontrast zum grellen Tageslicht, in dem sie erzählt werden. Es ist dem Regisseur anzurechnen, dass er den Grusel nicht nachträglich aufpfropfte: Kniffe wie beklemmende Tonspuren oder Nachtkamerabilder setzt er spärlich ein.

Der Film entpuppt sich als eigentliche Milieustudie. Bürgi porträtiert Szenegänger – wie er es schon in «Dancing with the Storms» (2009) mit Sturmjägern gemacht hat, einer Volksgruppe, die Gewitter aufzeichnet. In «Fenster zum Jenseits» kommen der Berner Journalist Hans Peter Roth, das Medium Meile sowie der Seher Sam Hess zu Wort. Roth hat Hunderte Spukgeschichten erfragt und dokumentiert, Hess bezeugt einen rührenden Respekt vor seinen verstorbenen Besuchern, und auch wenn Meiles mediale Fähigkeiten von aussen schlecht überprüfbar sind, so ist er doch zumindest fähig, einem Witwer in der schlimmsten Trauerphase Mut zu machen. Wie alle Fachkräfte der Welt verwenden auch sie eigenes Vokabular: Geister sind Geistwesen, Entitäten oder Wesenheiten, die Toten leben in der «geistigen Welt». Der Zaungast lernt einiges.

Im Hotel entpuppt sich Guillaume, der sich aufs Fensteröffnen und Liftblockieren spezialisiert hat, als widerborstig. Den Nachnamen gibt er nicht preis, Nachforschungen zu seiner Existenz leistet er keinen Vorschub. Und so gibt am Ende nur der rot erhitzte Nacken der Hotelbesitzerin Zeugnis von einer Präsenz, die sich nicht festnageln lassen will. (Der Bund)

Erstellt: 15.12.2012, 11:17 Uhr

Der Film in Bern

Der Film läuft im Kino Movie.

16.12.: Sonntagsmatinée um 10.30 Uhr mit Filmcrew und Protagonisten.

Trailer:

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