Zum Hauptinhalt springen

«Die Bedrohung musste spürbar sein»

In der Nazi-Tragikomödie «Mein bester Feind» versucht Regisseur Murnberger, dem tragischen Schicksal einer jüdischen Familie eine komische Seite abzugewinnen.

Gibt den Sohn eines jüdischen Galeriebesitzers: Schauspieler Bleibtreu.
Gibt den Sohn eines jüdischen Galeriebesitzers: Schauspieler Bleibtreu.

Der Österreicher, der durch seine schwarzhumorigen Wolf-Haas- Verfilmungen auch hierzulande bekannt ist, war sich bewusst, dass die Balance zwischen Tragödie und Komödie sehr schwierig werden würde.

«Mein bester Feind» schildert die verzwickte Geschichte zweier bester Freunde - der eine, Victor Kaufmann (Moritz Bleibtreu), Sohn eines jüdischen Galeriebesitzers in Wien, der andere, Rudi Schmekal (Georg Friedrich), Sohn der Haushälterin der Familie.

Gefälschtes Geschenk

Der Underdog läuft heimlich zu den Nazis über. Als diese jüdische Vermögen konfiszieren, tut sich Rudi mit seinem Wissen über einen geheimen Schatz des Galeriebesitzers, eine Michelangelo-Zeichnung, hervor. Doch die Zeichnung erweist sich 1943, als Hitler sie dem Duce zum Geschenk machen will, als Fälschung.

Da Vater Kaufmann im KZ umgekommen ist, sucht Rudi Victor im Vernichtungslager auf, um ihn dazu zu bringen, das Versteck des Michelangelo-Originals zu verraten. Nach einem Flugzeugabsturz der beiden beginnt eine nervenaufreibende Scharade, bei der Victor auf Teufel komm raus improvisiert, um sein Leben und das Leben seiner Mutter (die Schweizerin Marthe Keller) zu retten.

Schelmengeschichte

Zunächst habe er zwei Szenenvarianten gedreht, «eine realistische und eine komödiantische», sagte Murnberger im Februar auf der Berlinale, wo sein Film ausser Konkurrenz präsentiert wurde. Doch er hätte es «falsch gefunden, die Nazis als Tölpel zu zeigen - die Bedrohung musste spürbar sein». Und so entschied er sich für eine realistischere Version, bei der sich «die Komik aus der Situation heraus entwickelt».

Das klappt wunderbar in jenen Szenen, in denen Victor Rudis Nazi- Uniform überstreift. Wenn der tobende Rudi jene Behandlung erfährt, der Juden ausgesetzt sind, stellt sich das Lachen auch wider Willen ein: Man gönnt ihm die Retourkutsche von ganzem Herzen. Zeitweise wirkt der Film trotz der tragischen Ereignisse wie eine Schelmengeschichte. Mit Klassikern wie Ernst Lubitschs «Sein oder nicht sein» oder Roberto Benignis «Das Leben ist schön» kann sich Murnbergers Werk allerdings kaum messen.

Das liegt nicht nur an kleineren Drehbuchschwächen, sondern vor allem daran, dass die Absicht des Regisseurs, Juden als Helden und nicht - wie zum Beispiel in «Schindlers Liste» - als ewige Opfer zu zeigen, durch die Darsteller teilweise konterkariert wird.

Mitläufer spielt den Helden an die Wand

Mit Georg Friedrich als Karriere-Nazi Rudi zeigt sich wieder einmal, dass das Böse interessanter ist als das Gute. Moritz Bleibtreu (in «Jud Süss» noch als kasperlhafter Goebbels zu sehen) ist allzu eindimensional edelmütig, um als Figur zu interessieren.

Friedrich aber gibt mit moserndem Wiener Akzent eine so scheele Kanaille, dass einen dieser verschlagen-labile Charakter bis zum Schluss fasziniert. Der wieselige Underdog verteidigt bis zum Schluss seinen Beuteanteil am staatlich legitimierten Raubmord. Eine so entlarvende Mitläufer-Figur immerhin hat man lange nicht gesehen.

SDA/lsch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch