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Der Schuh des Josef Stalin

Leander Haussmanns Komödie «Hotel Lux» changiert zwischen beklemmenden Momenten und klamottigen Szenen.

Spielt nun also den Komödianten Zeisig: Michael «Bully» Herbig.
Spielt nun also den Komödianten Zeisig: Michael «Bully» Herbig.
Keystone

Michael «Bully» Herbig ist zweifellos ein Comedian und Filmemacher (»Der Schuh des Manitu») mit grosser Fangemeinde, die seinen familienfreundlichen Humor schätzt. Niemand aber käme auf die Idee, ihn als politischen Kabarettisten zu verstehen.

Dies mag vielleicht der Grund gewesen sein, warum Regisseur Leander Haussmann bei der Suche nach einem idealen Hauptdarsteller für seine Historienkomödie «Hotel Lux» ausgerechnet auf Herbig gekommen ist.

Staunen, Befremden, Erschrecken

Herbig spielt nun also den Komödianten Zeisig. Zusammen mit seinem Bühnenpartner Siggi Meyer (Jürgen Vogel) sorgt er im Berlin der 30er Jahre auf der Varietébühne für gute Stimmung und mit Parodien auf Hitler und Stalin für besonders gute Lacher - bis darüber die Nazis selbst nicht mehr lachen können.

Während Siggi mit der niederländischen Kommunistin Frida van Orten (Thekla Reuten) in den politischen Widerstand abtaucht, macht sich Zeisig auf Weg nach Hollywood. Landen aber wird er in Moskau, genauer gesagt im legendären Hotel Lux. Dort haben vor allem viele Kommunisten aus Deutschland Zuflucht gefunden und hoffen auf bessere Zeiten.

Dass Zeisig dort für den Leibastrologen Hitlers gehalten wird, bringt ihm die nähere Bekanntschaft und Gunst Josef Stalins (Valery Grishko) ein. Das merkwürdige Treiben der Kommunisten, Trotzkisten und Stalinisten in dem klaustrophobisch anmutenden Exilantenhotel vermag Zeisig allerdings nur mit Staunen, Befremden und zunehmenden Erschrecken zu beobachten.

Schauplatz für Weltpolitik und einen Verwechslungsschwank

Von der ersten Drehbuchfassung sei er alles andere als überzeugt gewesen, gab Herbig kürzlich vor der Presse zu Protokoll. Zu düster, blutrünstig sei sie gewesen. Die Abgründe des stalinistischen Terrors, die drückende Atmosphäre aus Bespitzelung, Verrat und mörderischen Intrigen sind nun mal kein naheliegender Stoff für eine leichtfüssige Schenkelklopfer-Komödie. Herbig darf in der tatsächlich verfilmten Drehbuchversion nun einige recht komische, kabarettistische Szenen abliefern, wirklich homogen und aus einem Guss wirkt «Hotel Lux» allerdings nicht.

In vielen Momenten, und es sind nicht die schlechtesten, gelingt Haussmann eine von Todesangst geschwängerte Atmosphäre. Völlig im Kontrast dazu stehen so klamottige Szenen wie jene mit Walter Ulbricht (Axel Wandtke), der mit Zuckerwürfeln schon mal probehalber eine kleine Mauer errichtet.

Grosse Vorbilder

Charlie Chaplins «Der grosse Diktator» und Ernst Lubitschs «Sein oder Nichtsein» hatten meisterhaft gezeigt, wie man aus dem Grauen des Naziterrors eine beissende Komödie machen kann, ohne den Ernst des Themas oder den Witz zu vernachlässigen. Für Haussmann dürften dies entscheidende Vorbilder für «Hotel Lux» gewesen sein.

Doch der Berliner Regisseur und Drehbuchautor (»NVA», «Sonnenallee») wagt weder, die Absurdität dieses Grauens schonungslos mit satirischer Schärfe auszuleuchten, noch findet er den Mut, die Geschichte konsequent als Drama zu erzählen. So springt der Film nun unentschlossen zwischen beiden Ebenen hin und her, eine runde Sache ist es nicht geworden.

Der Film startet morgen in den Deutschschweizer Kinos.

SDA

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