Der Frühzünder

Gefühlskino auf höchster Hitzestufe: «J’ai tué ma mère» des unheimlich talentierten Xavier Dolan.

Xavier Dolan ist 26 und hat schon fünf Langspielfilme ins Kino gebracht.

Xavier Dolan ist 26 und hat schon fünf Langspielfilme ins Kino gebracht.

(Bild: zvg)

Regula Fuchs

«Meine Mutter ist tot», sagt der 17-jährige Hubert, als eine Lehrerin der Klasse aufträgt, die Eltern zu ihren Berufen zu befragen. Ist sie natürlich nicht. Allerdings wünscht sich Hubert mehr als einmal, sie möge verschwinden – mit all ihren geblümten Tellern, ihren Glitzerfummeln und ihren Chipskrümeln um den Mund.

Der Film «J’ai tué ma mère» (2009) ist eine Wucht. Nicht nur, weil er gut ist, sondern, weil er einem die Gehässigkeiten seiner Protagonisten ins Gesicht klatscht – grossgestig, unsubtil, mitreissend. Gefühle brodeln auf und sprudeln über, sei es Hass, sei es Liebe. Was sich der Teenager in seiner Wut vorstellt, wird zu drastischen Bildern. Und jedes Gespräch zwischen Hubert und seiner Mutter ist eine Lunte, die sich beim kleinsten Funken entzündet und die Szene zum Explodieren bringt. Das ist Gefühlskino auf höchster Hitzestufe.

Wunderkind mit Goldener Palme

Urheber dieses Action-Paintings auf Grossleinwand ist der Frankokanadier Xavier Dolan. «J’ai tué ma mère» ist das Regiedebüt eines Wunderkinds, denn der gerade mal 26-Jährige hat bis dato nicht nur fünf Langspielfilme ins Kino gebracht (und häufig auch selber die Hauptrolle gespielt), sondern 2014 mit «Mommy» schon die Goldene Palme in Cannes gewonnen. Schwer vorzustellen, auf welche künstlerische Flughöhe dieser junge Regisseur und Schauspieler noch vordringen wird. Einen schwer zu brechenden Rekord jedenfalls hat Dolan schon auf sicher: «Hello», das Video, das er für Adeles gleichnamigen Song gedreht hat, benötigte nur 87 Tage, bis es eine Milliarde Mal angesehen wurde. «Gangnam Style» hatte fast doppelt so lange gebraucht.

Die Cinématte zeigt zurzeit das Gesamtwerk des Frühzünders; nach «J’ai tué ma mère» folgen im März das Transgender-Drama «Laurence Anyways» und «Tom à la ferme», Dolans Annäherung ans Genre des Psychothrillers. Und nun hat Dolan schon zwei weitere neue Filme gedreht, die ab diesem Jahr ins Kino kommen. Unheimlich.

Kino Cinématte Freitag, 26. Feb., 21 Uhr, Montag, 29. Feb., 20.30 Uhr.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt