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Das Stiefkind des Glamours

Am Sonntag geht das Zurich Film Festival 2013 zu Ende. Im Zentrum standen Stars – nicht der Wettbewerb.

Erhielt das Goldene Auge für ihren Dokumentarfilm «Neuland»: Anna Thommen. (5. Oktober 2013)
Erhielt das Goldene Auge für ihren Dokumentarfilm «Neuland»: Anna Thommen. (5. Oktober 2013)
Keystone
Die ZFF-Organisatoren Nadja Schildknecht (Mitte) und Karl Spoerri (rechts) mit Schauspieler Hugh Jackman. (28. September 2013)
Die ZFF-Organisatoren Nadja Schildknecht (Mitte) und Karl Spoerri (rechts) mit Schauspieler Hugh Jackman. (28. September 2013)
Keystone
Tom Kawara
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Es war ein kleiner Coup: Harvey Weinstein, das Schwergewicht unter den unabhängigen Produzenten in Hollywood, sprach im Zürcher Filmpodium. Und weil der Mann kaum Interviews gibt und selten öffentlich redet, wurde sein Auftritt bis nach Hollywood rapportiert. Die Branchenblätter «Variety», «Screen» und «Indiewire» berichteten ausführlich aus Zürich, das Echo in der amerikanischen Fachpresse war enorm.

Knapp zwei Monate nach «Täschligate» war das eine willkommene Imagekampagne für die Stadt. Keine Frage, das Zurich Film Festival (ZFF) betreibt erstklassiges Standortmarketing. Dass es die Stadt auch kulturell bereichert, kann niemand ernsthaft bezweifeln, der sich abseits der Windmaschinen des Glamours auch mal in die Kinos wagte. Also dorthin, wo nicht nur mehr oder weniger zufällig anwesende Stars geehrt wurden. Sondern wo Filme liefen, die es sonst nicht ins Kino schaffen (manche zu Recht).

Eigene Kategorien nicht ernst genommen

Dort sah man auch: Künstlerisch hinkt das Festival seinen eigenen Ansprüchen weiterhin hinterher. Ein Umbau des Wettbewerbs wäre ein Anfang: Vier dünn besetzte Wettbewerbe bei stark schwankender Qualität, das sind zwei zu viel. Vor allem dann, wenn das Festival seine eigenen Kategorien nicht richtig ernst nimmt. Oder was hat ein Film wie «Traumland» im internationalen Wettbewerb verloren? Eine Schweizer Produktion, gedreht in Zürich, fast durchwegs Mundart und Deutsch gesprochen und unter der Regie einer Schweizerin? Da versteht kein Mensch, weshalb dieser Film nicht im deutschsprachigen Wettbewerb läuft.

Nur ein Detail? Mag sein. Aber eben auch ein Indiz dafür, dass das ZFF sein erklärtes Herzstück nach wie vor als Stiefkind neben den Galapremieren behandelt. Das zeigt sich auch daran, wie lieblos einige Wettbewerbsfilme im Programm versorgt werden. Manche feiern ihre Premiere im kleinsten Saal im Corso, andere abseits im Kino Arena. Wer es wirklich ernst meint mit dem Schaufenster für den Nachwuchs, sollte den Filmen im Wettbewerb auch ein eigenes, würdiges Premierenkino einrichten, wie das an jedem Festival von Bedeutung üblich ist. Wie wärs mit dem Arthouse Le Paris?

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