Danke, es geht ihm gut

Der US-Filmstar Kirk Douglas, Schauspieler in «Spartacus» und einigem mehr, wird heute 100 Jahre alt.

Hollywood-Gigant: Kirk Douglas, 1950. Foto: Jean-Regis Rouston (Roger Viollet, Getty Images)

Hollywood-Gigant: Kirk Douglas, 1950. Foto: Jean-Regis Rouston (Roger Viollet, Getty Images)

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Was kann man noch sagen über einen Mann, der 100 wird und schon «Gigant» und «Titan» und «lebende Legende» genannt worden ist, als er 95 wurde? Dass es scheint, er sei über das Sterben längst hinaus, sei in die Unsterblichkeit eingegangen und nehme das Wort auch im physischen Sinn wörtlich? Die jüngsten Bilder des Schauspielers Kirk Douglas (es gibt nicht mehr so viele aus den letzten Jahren) zeigen einen, der etwas fast Feinstoffliches an sich hat. Ein wenig maskenhaft ist nun sein Gesicht, es trägt noch die Spuren des Schlaganfalls vor 21 Jahren.

Kirk Douglas in «Lust for Life» (1956). Quelle: Youtube/ Warner Movies On Demand

Nur kommt es einem vor, als ginge eine stille Fröhlichkeit von ihm aus. Wie ein heiterer Frieden des Ganz-bei-sich-Seins – als bliebe ihm, der alles gehabt hat, nichts zu wünschen übrig ausser ein paar Jahren lebendige Zukunft. Danke, es gehe ihm gut, liess er kürzlich ausrichten; er freue sich auf den Nachmittagstee mit Familie und Gästen zu seinem Hundertsten; und das ist heute.

Man sah ihn ab und an noch im Fern­sehen, wenn Hollywood sich selbst beschwor, etwa an der Oscarverleihung 2011; er war da schon mehr Erinnerung als Wirklichkeit. Es wehte ein Hauch von Abschied um den gebrechlichen Mann. Aber durch die Hinfälligkeit schien das alte Charisma. Gerade bei jener Preisverleihung, die sonst eine steife Angelegenheit war, gaben die Ovationen ihm Kraft, und man wusste einfach: Der wird über Tod und Grab hinaus leben. Vor dem vitalen Geist des «Früher» wirkte das starbesetzte Jetzt von damals blass.

Ein hungriges Gesicht

Man hat das Gesicht von Kirk Douglas ein «hungriges Gesicht» genannt, mindestens im deutschen Sprachraum (Friedrich Schiller hat den Ausdruck schon benützt), und es ist ja so eine Sache mit den Adjektiven. Leicht ist es nicht, sich darunter etwas vorzustellen. Trotzdem ist das eine gute Wortschöpfung, sie gibt den vielen Facetten eines Images einen Hauptcharakterzug.

Kirk Douglas in «Paths of Glory» (1957). Quelle Youtube/ williamscottwork

Da vermischt sich das Bild eines Stars mit biografischer Wirklichkeit. Also mit der Hartnäckigkeit und dem Ehrgeiz, den ein Issur Danielowitsch Demsky entwickeln musste, der 1916 im Staat New York als Sohn russisch-jüdischer Eltern weiss Gott nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurde – ein einziges Mal in seinem Kinderleben habe der Vater, ein harter Mann, ihm ein Eis gekauft, und im Rückblick sei es ihm mehr wert als ein Oscar, erzählte er einmal. Verbürgt ist manche professionelle und private Rücksichtslosigkeit, die er zugibt – und zur Wirklichkeit gehören auch Unzufriedenheit und Lebensgier.

Ein «hungriges Gesicht»: ein Wort voll kantiger Poesie. Es kann auch den Grimm jener Figuren bezeichnen, die Douglas am liebsten spielte und am besten: Vincent van Gogh (in Vincente Minnellis «Lust for Life», 1956) und Spartacus (1960), davor den Reporter Tatum in Billy Wilders «Ace in the Hole» (1951) und Colonel Dax in «Paths of Glory» von Stanley Kubrick (1957). Es erinnert an seine männlichen Helden, die eben auch wie Helden aussahen, wenn Douglas, so Regisseur Stanley Kramer, sein Kinn einsetzte wie die Monroe ihren Gang.

Kirk Douglas in «Spartacus» (1960). Quelle: Youtube/ Movieclips

Einmal habe ich ihn gesehen, im Februar 2001. Er erhielt an der Berlinale einen Goldenen Bären für sein Lebenswerk. Die Pressekonferenz war überfüllt, und er sprach mit schwerer Zunge, kokettierte mit seinem Preis als einer bedenklichen Alterserscheinung (das haben die Grossen Hollywoods ja von Wilder gelernt), versicherte jedoch, im Leben noch etwas vorzuhaben. Rund 20 seiner Filme liess er mit Stolz filmhistorisch gelten. Vor allem aber hielt er es sich zugute, dass er, der Co-Produzent von «Spartacus», dem Drehbuchautor Dalton Trumbo, einem der «Hollywood Ten» auf der schwarzen Liste des Kommunistenjägers McCarthy, wieder zu seinem richtigen Namen in den Credits eines Films verholfen hat.

Danach, am Empfang des US-Botschafters, soll Kirk Douglas «O Tannenbaum» gesungen haben. Ich war nicht dabei. Aber einer, der es war, nannte es damals im «Tagesspiegel» den rührendsten Moment eines ganzen Festivals.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.12.2016, 23:04 Uhr

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