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«Borat» trifft «Bridget Jones»

Die britische Komödie «I Give It a Year» stellt die klassische Hollywood-Dramaturgie auf den Kopf: Der Film endet nicht mit der Hochzeit in Weiss, er beginnt mit ihr.

Das hält wohl nicht lange: Brautpaar in «I Give It a Year».
Das hält wohl nicht lange: Brautpaar in «I Give It a Year».

Die Hochzeit im Film hat meist nur eine Bedeutung: grosse Liebe, Happy End. Wie im Märchen reitet das glückliche Paar – im übertragenen Sinn – gemeinsam in den Sonnenuntergang. In «I Give It a Year» dagegen ist der wichtigste Tag im Leben von Braut und Bräutigam nicht viel mehr als eine Randnotiz. Stattdessen geht die Geschichte damit überhaupt erst los. Der Film stellt die durchaus spannende und selten beantwortete Frage: Was macht das glückliche Paar nach der Hochzeit?

Erzählt wird diese Geschichte nun von Dan Mazer. Der Autor und Produzent von Sacha Baron Cohens inzwischen legendären Kinospektakeln «Borat», «Brüno» und «Der Diktator» gibt sein Regie-Debüt. Produziert wird der Film von niemand Geringerem als Tim Bevan und Eric Fellner, die schon Komödien-Erfolge wie «Notting Hill», «Bridget Jones» und «Tatsächlich...Liebe» auf die Leinwand brachten. Tatsächlich ist der Film auch genau das geworden, was man von dieser Kombination erwarten kann – «Borat» trifft «Bridget Jones».

Zwei beissen sich durch

Und darum geht es: Ein Paar trifft sich, verliebt sich – und heiratet wenige Monate später. «I Give It a Year» prophezeien Familie und Freunde – und schon am Hochzeitsabend ist klar: Damit könnten sie recht haben. Nat (Rose Byrne aus «Bridesmaids») und Josh (Rafe Spall, «Anonymous») haben sich offensichtlich nicht genug Zeit gelassen, sich wirklich kennenzulernen.

Nat ist eher der zerbrechlich-vornehme Typ, Josh eher der nicht so vornehme Spassvogel. Und so zerreiben sich die beiden im Alltag. Der Film zeigt, was passiert, wenn man dem Falschen dauerhafte Treue schwört. Frei nach dem Motto: Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht noch 'was Besseres findet.

Nat und Josh aber wollen nicht so schnell aufgeben. Weniger aus dem Glauben an die Ehe oder Mitgefühl dem Ehepartner gegenüber als vielmehr aus Ehrgeiz wollen sie wenigstens ein Jahr lang durchhalten und es allen zeigen. Darum führt sie der Weg auch zur Paartherapeutin – allerdings mit bedingtem Erfolg.

Die ist von ihrer eigenen Ehe frustriert und hat den Glauben an die Liebe längst verloren. Auch Nats zickige Schwester (grandios und wunderschön: Minnie Driver) ist keine grosse Hilfe. Als dann auch noch Joshs Ex-Freundin Chloe (Anna Faris, «Der Diktator») wieder auftaucht und Nat den schönen Guy («The Mentalist» Simon Baker) trifft, droht das Jahr verdammt lang zu werden.

Schöner Mix

Die Handschrift der Macher ist unverkennbar: Die Liebes-Experten Bevan und Fellner steuern britischen Humor und das Quäntchen Romantik bei, Baron Cohen-Kollege Mazer die deftigere Humor-Variante und Geschmacklosigkeiten. Die Szene, in der Chloe vergeblich versucht, Freude an einem sexuellen Experiment in Form eines Dreiers zu finden, könnte auch «Borat» oder «Brüno» entsprungen sein.

Wer «Tatsächlich...Liebe» mag, dem dürfte der Humor zu oft unter die Gürtellinie gehen, wer Baron Cohen-Fan ist, der dürfte Biss vermissen. Wer sich allerdings von beiden Genres gut unterhalten fühlt, der ist bei «I Give It a Year» im Kinosessel genau richtig aufgehoben.

SDA/dj

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