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Amerikaner stehen Schlange für Nordkorea-Satire

Nach den Drohungen wegen «The Interview» strömten zahlreiche Menschen in den USA in die Kinos. Auch Seth Rogen und Ko-Regisseur Evan Goldberg zeigten sich.

Der Kinobesuch als patriotischer Akt: Ein als Weihnachtmann mit US-Fahne verkleideter Mann vor einem Kino Los Angeles. (24. Dezember 2014)
Der Kinobesuch als patriotischer Akt: Ein als Weihnachtmann mit US-Fahne verkleideter Mann vor einem Kino Los Angeles. (24. Dezember 2014)
Jonathan Alcorn, Reuters

Die von Pyongyang heftig kritisierte Nordkorea-Satire «The Interview» hat zum Filmstart in den USA zahlreiche Kinosäle gefüllt. Von New York bis Los Angeles zog der Film, dessen Start nach einem Hacker-Angriff auf die Produktionsfirma Sony Pictures zunächst zurückgehalten worden war, am Donnerstag zahlreiche Besucher an, die ein Zeichen setzen wollten. In einem Kino in Los Angeles tauchte einer der Schauspieler aus dem Film, Seth Rogen, zusammen mit Ko-Regisseur Evan Goldberg auf.

«Wir hätten nicht gedacht, dass das passiert», sagte Rogen vor den jubelnden Zuschauern, wie in einem Video im Online-Portal Youtube zu sehen war. «Die Tatsache, dass er hier gezeigt wird und Ihr alle gekommen seid...», sagte Goldberg, und Rogen ergänzte: «... ist super aufregend».

Nehmen an Vorführung in Los Angeles teil: Seth Rogen und Evan Goldberg. (Video: CNN/Youtube)

Der Kinobetreiber Josh Levin sagte, er zeige den Film «aus Prinzip», und das Publikum habe dies begrüsst. «Wir haben alle unsere Eintrittskarten für heute binnen einer Stunde verkauft», sagte Levin. «Wir sind auch für morgen und Samstag ausverkauft.»

Viele Menschen gingen aus grundsätzlichen Erwägungen ins Kino und sahen in «The Interview» ein Symbol für die freie Meinungsäusserung. «Ich hatte ursprünglich gar nicht vor, den Film zu sehen, aber nach allem, was passiert ist, glaube ich, dass unsere Unterstützung wichtig ist», sagte einer der Zuschauer im West End Cinema in Washington, Greg Millett.

Sony Pictures hatte den Film am Mittwochabend in den USA auf der Onlineplattform Youtube, bei Google Play und bei Xbox Video von Microsoft zugänglich gemacht. Zudem konnte der Streifen auf der eigens eingerichteten Website www.seetheinterview.com geliehen oder gekauft werden. In «The Interview» geht es um zwei Journalisten und ein fiktives Mordkomplott gegen den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un. Der Film ist Gegenstand einer breiten Debatte, die sich zuletzt immer mehr zur Staatsaffäre entwickelte.

Die Nordkorea-Satire spielte am ersten Tag fast eine Million Dollar ein. Das berichtete das Magazin «Variety» online. Die Summe ist beachtlich, da landesweit nur rund 300 unabhängige Kinos den ironisch-witzigen Streifen über ein Mordkomplott zeigten.

Anschlagsdrohungen

Sony war im November Opfer einer Hackerattacke geworden, wenig später gab es dann wegen «The Interview» mysteriöse Anschlagsdrohungen gegen US-Kinos. Da daraufhin mehrere Ketten erklärten, den Film aus dem Programm zu nehmen, sagte Sony in der vergangenen Woche den für den ersten Weihnachtstag geplanten Start des Films ab. Nach Erkenntnissen des FBI steckt die Staatsführung Nordkoreas selbst hinter dem Angriff auf Sony Pictures. Pyongyang bestreitet dies, hiess den Angriff auf den Konzern aber gut.

Nach Kritik aus der Filmbranche und von US-Präsident Barack Obama kündigte Sony Pictures schliesslich am Dienstag überraschend an, dass der Film nun doch in rund 200 Kinos gezeigt werde. Weitere sollen folgen. Ursprünglich war die Ausstrahlung in 2500 Kinos geplant. In Deutschland sollte der Film nach ursprünglicher Planung Anfang Februar in die Kinos kommen.

AFP/rub

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