«Aber er ist keine Frau»

James Cameron bezeichnet den feministischen Filmhit «Wonder Woman» als «Rückschritt» – und bezieht jetzt Prügel von der Regisseurin.

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Matthias Lerf@MatthiasLerf

Alle lieben die «Wonder Woman». Die Comicverfilmung mit einer Superheldin ist ein Box-Office-Hit, der erfolgreichste Film einer Regisseurin überhaupt, darüber hinaus einfach ein gutes Spektakel. Alle? Nein, James Cameron bezeichnete die Abenteuer der leicht bekleideten Kämpferin kürzlich als «Rückschritt» für die Sache der Frau auf der Leinwand. Und kritisierte das gegenseitige Schulterklopfen in Hollywood für diesen Film.

Nun kann niemand behaupten, James Cameron kenne sich nicht aus: Er hat mit «Avatar» den erfolgreichsten Film der Geschichte realisiert und mit «Titanic» den zweiterfolgreichsten. Er präsentierte in Filmen wie «Aliens» oft starke Frauenfiguren. Und braucht jetzt eine Heldin aus seinem Hit «Terminator 2» – für dessen 3-D-Wiederaufführung er gerade Werbung macht –, um gegen die «Wonder Woman» zu schiessen.

Sarah Connor, die Mutter des Widerstandskämpfers gegen alle Maschinen, sei eine wahre moderne Heldin gewesen, sagte er dem «Guardian»: «Sie war nicht schön, machte vieles falsch, war verwirrt, eine schreckliche Mutter. Sie hat sich Respekt beim Publikum mit nichts als Mut verschafft.» Die «Wonder Woman» dagegen sei eine «Ikone, die zum Objekt degradiert wurde»: «Sie verkörpert das alte, männliche Hollywood, das sich ständig repetiert.»

Altes, männliches Hollywood? Trailer zu «Wonder Woman»

Da hat er aber die Rechnung ohne Patty Jenkins gemacht, die Regisseurin von «Wonder Woman». «James Camerons Unvermögen zu verstehen, was ‹Wonder Woman› ist, kann die Frauen aus aller Welt nicht überraschen», schrieb sie auf Twitter. «Er mag zwar ein grossartiger Filmemacher sein, aber er ist keine Frau.»

Die Regisseurin, deren Film weltweit inzwischen rund 800 Millionen Dollar eingespielt hat, kritisierte hauptsächlich, dass Frauen in Camerons Augen offensichtlich immer hart, zäh und verwirrt sein sollten, um als wahre Heldinnen durchzugehen: «Wir sind nicht sehr weit gekommen, wenn wir nicht auch einmal eine Schönheit feiern können, die attraktiv und liebenswert ist.»

Eine «Woman»-Fortsetzung, vier von «Avatar»

Dazu schreibt sie weiter: «Ich denke, Frauen können und dürfen alles sein, was männliche Helden auch sein können. Es gibt keine gute und schlechte Art, eine starke Frau zu sein. Und das grosse weibliche Publikum, das unseren Film zum Hit gemacht hat, ist ganz sicher in der Lage, die eigenen Heldinnen auszuwählen und zu beurteilen, was fortschrittlich ist.»

Das wird in Zukunft vielleicht gar in einem Direktvergleich möglich sein. Patty Jenkins arbeitet an einer Fortsetzung zu «Wonder Woman», die frühestens 2019 in den Kinos starten soll. James Cameron dagegen tüftelt schon seit Jahren an der Weiterführung von «Avatar» mit Sigourney Weaver. Er will ab 2020 – in typisch männlichem Grössenwahn? – nicht weniger als vier Fortsetzungen ins Kino bringen.

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