Überwiegend wolkig

Der Dokumentarfilm «Closer to God» zeigt Formen der Spiritualität in Pakistan. Vieles dabei bleibt rätselhaft.

Der Ansporn der Berner Regisseurin Annette Berger ist eigentlich ein politischer: Ihr Film bewege sich «weitab von den Vorurteilen, die wir im Westen gegenüber den islamischen Welten und Kulturen hegen», schreibt sie.

Der Ansporn der Berner Regisseurin Annette Berger ist eigentlich ein politischer: Ihr Film bewege sich «weitab von den Vorurteilen, die wir im Westen gegenüber den islamischen Welten und Kulturen hegen», schreibt sie.

(Bild: zvg)

Regula Fuchs

Manchmal wünscht man sich zu einem Film eine Bedienungsanleitung. Wo nämlich ist in «Closer to God» das Scharnier zwischen dem pakistanischen Sänger Ustad Saami und dem hippiesken Pilger Gogha Sain, der mit Gewichten an den Füssen durchs Land zieht? Die Berner Regisseurin Annette Berger sagt es in ihrem Dokumentarfilm nicht explizit, und es braucht eine Weile, bis klar wird, dass es wohl eine tiefe Form von Spiritualität ist, welche die beiden Hauptfiguren verbindet.

Der Sufi-Gesang, wie ihn Ustad ­Saami meisterlich ausübt, war einst, als die Araber den indischen Subkontinent isla­mi­sier­ten, ein Mittel ihrer Mission: Die hypnotischen Lieder mit ihren schlingernden Mikrotönen machten die Kraft des Glaubens auch für jene verständlich, die nicht Arabisch sprachen. Darum führt uns «Closer to God» an verschiedene Schreine, die Musikern und Poeten gewidmet sind, die noch heute verehrt werden wie Heilige.

Die Schnittmenge zwischen Musik und Glauben ist also gross. Doch das zu verstehen, ist nicht einfach in einem Film, der lieber zeigt als erklärt. Dass Berger tief in eine faszinierende Lebenswelt eingetaucht ist, wird zwar spürbar, fremd bleibt sie einem aber bis zuletzt. Das ist besonders schade angesichts der Tatsache, dass Bergers Ansporn eigentlich ein politischer ist: Ihr Film bewege sich «weitab von den Vorurteilen, die wir im Westen gegenüber den islamischen Welten und Kulturen hegen», schreibt sie.

Nur, um Vorurteile brechen zu können, braucht es Information. Warum also hat der barfüssige Pilger seine Metall­ketten seit 1984 nicht abgelegt? Wieso sagt er in seiner Heimatstadt, er sei von Ungläu­bigen umgeben? Und ist die ältere Frau, die einmal neben ihm steht und sagt, sie habe ihren Sohn verloren, seine Mutter? ­«Closer to God» verrät es nicht.

Vorpremiere: Montag, 20.40 Uhr, Kino Rex. Ab 9. Mai im regulären Programm.

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