Snoopy und der Super-Shark

«Wahrheit»-Kolumnistin Lena Rittmeyer erklärt, wieso Hunde in der Filmwelt völlig falsch dargestellt werden.

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Lena Rittmeyer@LaRittmeyer

Vielleicht haben Sie es verpasst hier im fernen Europa, aber: Seit einer Weile haben die Amerikaner ein neues Gate. Sie konnten es sicher kaum erwarten seit dem letzten offiziellen, dem berühmten Donutgate. Damals hatte das Popsternchen Ariana Grande in einem Youtube-Video unverkaufte Donuts abgeleckt und dazu ihren Hass aufs Vaterland kundgetan.

Über ein Jahr ist das alles her. Jetzt aber: Pizzagate. Was ist vorgefallen? Nun, nichts. Aber in Zeiten von Fake-News taugt auch eine Nicht-Meldung zur Affäre. Pizzagate bezieht sich auf eine Verschwörungstheorie, die besagt, dass der Keller einer Pizzeria in Washington der geheime Treffpunkt eines Pädo­philenrings sei, angeführt von Hillary Clinton. Die abenteuerlichen Mutmassungen nahmen ihren Lauf, als die Enthüllungsplattform Wikileaks E-Mails von Demokraten veröffentlichte, in denen auffällig oft von Pizzen die Rede war. Ein Code womöglich? Der Verdacht konnte allerdings schon bald entkräftet werden, denn im besagten Lokal existiert offenbar gar kein Keller.

Aber das ist egal. Eine Story überlebt bekannterweise nicht, weil sie wahr ist, sondern weil gewisse Bevölkerungsgruppen besonders empfänglich dafür sind. Nehmen wir zum Beispiel Heu­schrecken­plagen. Im Spätmittelalter interpretierte man sie als göttliches Zeichen für das bevorstehende Ende der Welt. Und dies, obwohl man bereits auf Erfahrungswerte früherer Generationen zurückgreifen und doch mittlerweile wissen konnte, dass ein durch Insekten verdunkelter Himmel keine Apokalypse nach sich zieht. Auch richteten die Tierchen keinen massiven Schaden an. Man hätte es also besser wissen können. Wenn man denn gewollt hätte.

Gerade Vorurteile Tieren gegenüber halten sich hartnäckig. So gilt der Hund bis heute als treuester Freund des Menschen, obwohl die jährliche Anzahl tödlicher Angriffe durch den Deutschen Schäferhund alleine in Deutschland der Anzahl weltweiter Haiattacken gefährlich nahe kommt. Statistisch gesehen hätten wir also ebenso plausiblen Grund zur Hundeangst. Warum also führte diese Erkenntnis nicht zwangsläufig zum Doggate? Weils keinen interessiert, und daran ist wiederum Steven Spielberg schuld. Seit er im Film «Jaws» von 1975 den Weissen Hai wenig feinfühlig als blutrünstiges Monster porträtierte, ist der Ruf des Haifischs für immer ramponiert. Zur Freude aller Animal-Horror-Fans.

Und das alles nur, weil im Juli 1916, als man an der Küste New Jerseys den amerikanischen Nationalfeiertag beging, ein einziges aggressives Exemplar insgesamt vier Menschen getötet hat. Also geriet die gesamte Spezies unter Generalverdacht und muss seit Spielberg in sämtlichen B-Movies den gefrässigen Bösewicht aus ihren Reihen stellen. Fair ist das nicht. Denn sicher hätte der Hai bessere Filme verdient als «Sharknado» 1 bis 4, «Sharktopus», «Dinoshark», «Jurassic Shark», «Ghost Shark», «Super Shark» und wie sie alle heissen.

Und der Hund? Der hat unterdessen den Einzug in die knuffige Welt der Cartoons geschafft und erfreut als Snoopy, Pluto oder Goofy bis heute Gross und Klein. Ähnlich wie Ariana Grande. Manchen Lebewesen kann vermutlich auch ein Gate nichts an­haben. Zu niedlich.

Der Bund

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