Sie war 16, als ihre Affäre begann

Für «Manhattan» hatte Woody Allen eine Muse. Sie heisst Christina Engelhardt und war minderjährig.

Woody Allen hat eine schwierige Zeit: Es ist nicht einmal klar, ob sein neuster Film in die Kinos kommen wird. Foto: PD

Woody Allen hat eine schwierige Zeit: Es ist nicht einmal klar, ob sein neuster Film in die Kinos kommen wird. Foto: PD

Hans Jürg Zinsli@zasbros

Woody Allen hat es dieser Tage nicht leicht. Der Regisseur wurde von seiner Adoptivtochter Dylan Farrow mehrmals beschuldigt, dass er sie als Kind sexuell missbraucht habe. Im Zuge der #MeToo-Debatte wurde darauf sein jüngster Film, die bereits 2017 abgedrehte Komödie «A Rainy Day in New York», auf Eis gelegt.

Jetzt ereilt den 83-jährigen Regisseur neuerliches Ungemach. Christina Engelhardt, ehemalige Schauspielerin und Model, sagte gegenüber dem Fachblatt «The Hollywood Reporter», dass sie in den Siebzigerjahren eine heimliche Sexbeziehung mit Allen geführt habe. Die Geschichte ist pikant: Engelhardt war erst 16-jährig, als sie die Affäre mit dem damals 41-jährigen Regisseur begann. Sie habe Allen in einem Restaurant ihre Telefonnummer zugeschoben. («Da Sie genug Autogramme geschrieben haben, hier ist meins.») Er habe sie bald zurückgerufen.

Die Beziehung soll laut Engelhardt acht Jahre gedauert haben, wobei sich die beiden stets in seinem New Yorker Apartment mit Blick auf den Central Park getroffen hätten. «Die Vorhänge waren immer zugezogen», erinnert sich Engelhardt, «die Aussicht war vermutlich spektakulär, aber ich war nicht für die Aussicht dort.»

Nach vier Jahren soll Allen Engelhardt eröffnet haben, dass er sie seiner neuen Freundin Mia Farrow vorstellen wolle, was zu einer temporären Dreierbeziehung mit Farrow geführt habe. In einem unveröffentlichten Memoirenband schreibt Engelhardt: «Sie (Mia) war schön und süss, er war charmant und verführerisch, und ich war sexy und wurde immer gewandter in diesem Spiel.»

Engelhardt, die heute mit gemischten Gefühlen auf die damalige Beziehung zurückschaut, hält fest, dass sie Woody Allen mit ihren Äusserungen nicht schaden wolle. «Es ist fast so, als ob man von mir erwarten würde, dass ich jetzt über ihn herziehen soll. Aber es geht hier um meine Lovestory, nicht darum, ihn zur Strecke zu bringen.»

Das kann man glauben oder nicht. Offensichtlich scheint jedoch, dass Engelhardt dem Regisseur als Inspirationsquelle für «Manhattan» (1979) diente. Der Film handelt von einem TV-Gagschreiber, der zwei gescheiterte Ehen hinter sich hat, darauf eine Affäre mit der 17-jährigen Tracy (Mariel Hemingway) beginnt und sich in die Geliebte seines besten Freundes verliebt. In einem Drehbuchentwurf zu «Manhattan», der im Woody-Allen-Archiv der Princeton-Universität liegt, wird Tracy von verschiedenen Film­figuren als «so jung wie eine 16-Jährige» beschrieben. «Manhattan» wurde 1980 für zwei Oscars nominiert – fürs beste Drehbuch (Woody Allen, Marshall Brickman) und für die beste Nebenrolle (Mariel Hemingway).

Ob Woody Allens jüngster Film noch in die Kinos kommt, bleibt nach Engelhardts Äusserungen zumindest fraglich, die Darsteller von ­«A Rainy Day in New York» vertreten unterschiedliche Positionen. Während sich Timothée Chalamet und Rebecca Hall vom Film distanziert haben und ihre Gage spendeten, verteidigt Darsteller Jude Law das unter Verschluss gehaltene Werk: «Es ist eine Schande. Die Leute haben hart daran gearbeitet und viel reingesteckt, natürlich auch der Regisseur.»

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